
Darum feiern viele Ungarn Viktor Orbán noch immer
n-tv
Orbán muss zittern. In Umfragen machen ihm Magyar und dessen Tisza-Partei Konkurrenz. Ungarns Premier könnte die Wahl in drei Wochen dennoch für sich entscheiden. Eingefleischte Fans halten ihm die Treue, wie sich bei einer Veranstaltung von Rechtspopulisten in Budapest zeigt.
Orbán muss zittern. In Umfragen machen ihm Magyar und dessen Tisza-Partei Konkurrenz. Ungarns Premier könnte die Wahl in drei Wochen dennoch für sich entscheiden. Eingefleischte Fans halten ihm die Treue, wie sich bei einer Veranstaltung von Rechtspopulisten in Budapest zeigt.
Bence freut sich darauf, Gleichgesinnte zu treffen. In der linken Hand hält er einen Holzstock, geschmückt mit bunten Stoffstreifen. Auf den Bändern stehen die Namen und die Hochzeitsdaten von Paaren, die er getraut hat. Der Stock ist Bences Zeremonienstab. Er arbeitet auf dem Land als Vőfély, als traditioneller Hochzeitsmeister. Um seinen Filzhut hat der 28-Jährige noch einen Stoffstreifen gebunden, in den Farben der ungarischen Flagge. Bence steht vor den Ganz-Werken, einer ehemaligen Industrieanlage im Westen Budapests, und wartet auf Einlass.
Am Eingang prangt in weißen Lettern auf blauem Untergrund "Registration", gleich daneben "Patriots". In den früheren Fabrikhallen treffen sich Politiker der Patrioten für Europa, einer rechtspopulistischen Fraktion im Europäischen Parlament, mit ihren Anhängern. Alle namhaften Führungsfiguren der "Patrioten" sind nach Budapest gekommen, für Vorträge, Konferenzen und Bühnenprogramm, darunter Marine Le Pen vom französischen Rassemblement National, der FPÖ-Vorsitzende Herbert Kickl und natürlich der Hauptredner: Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán. Der muss kurz vor den ungarischen Parlamentswahlen am 12. April zittern. Sein Konkurrent Péter Magyar liegt mit seiner konservativen Tisza-Partei in vielen Umfragen um einige Prozentpunkte vor Orbáns Partei Fidesz. Das Rennen wird knapp.
Deshalb steckt wohl auch Wahlkampftaktik hinter dem spontan anberaumten Treffen der selbst ernannten Patrioten. Eine Wahlniederlage Orbáns wäre ein Verlust für die politischen Verbündeten in ganz Europa. Schließlich ist Orbán nicht nur für europäische Rechtspopulisten ein politisches Vorbild, sondern auch für die amerikanische "Make America Great Again"-Bewegung um US-Präsident Donald Trump. Seit 16 Jahren sitzt Orbán fest im Sattel und hat seitdem jede Wahl gewonnen - obwohl in Ungarn die Korruption grassiert, der Sozialstaat marode ist und die Unabhängigkeit der Justiz faktisch abgeschafft wurde.
In Umfragen einiger ungarischer Institute wie Medián und Závecz liegt Magyars Partei teils deutlich vor der Orbáns, während regierungsnahe Häuser Fidesz auf Platz eins sehen. Langzeit-Analysen wie jene des Republikon‑Instituts verorten Fidesz‘ Stammwählerschaft bei etwa einem Viertel. Der Rückhalt für Orbán schwindet allmählich. Beobachter halten einen Wahlsieg des ungarischen Premiers aber durchaus für möglich. Viele Botschaften Orbáns verfangen noch immer bei den Wählern, etwa, wenn er sich als Verteidiger nationaler und familiärer Werte gibt oder als die letzte Bastion vor einem angeblichen Kriegseintritt ungarischer Soldaten in der Ukraine.













