
Bahn tauscht Projektleiter von Stuttgart 21 aus
Süddeutsche Zeitung
Nun soll ein Experte für Digitalisierung das Projekt zu Ende bringen. Das ist klassische Personalpolitik à la Bahnchefin Evelyn Palla.
Die immensen Probleme bei Stuttgart 21 muss jemand anderes lösen. Die Deutsche Bahn hat bekannt gegeben, dass der bisherige Projektleiter Olaf Drescher die Baustelle nicht zu Ende bringen wird; er gehe in den Ruhestand. Stattdessen soll der langjährige Bahn-Manager und frühere Digitalisierungs-Vorstand bei der DB Infrago, Klaus Müller, seinen Job übernehmen.
Der nunmehr sechste Wechsel an der Spitze des Bahnprojekts Stuttgart-Ulm, wie der offizielle Name ist, gilt als Folge der erneuten Verschiebung der Inbetriebnahme des neuen, unterirdischen Bahnhofs. Eigentlich war zuletzt für Ende 2026 eine Teil-Inbetriebnahme geplant. Doch kurz nach ihrem Amtsantritt im Oktober 2025 hatte die neue Bahn-Chefin Evelyn Palla den Termin abgesagt. Es gebe noch immer Probleme bei der Digitalisierung des Bahnknotens. Der neue Eröffnungstermin? Ungewiss.
Seitdem untersucht eine 15-köpfige Konzernrevision, was genau intern bei der Bahn, aber auch beim Dienstleister Hitachi falsch gelaufen ist. Bis zum Sommer soll sie Ergebnisse vorlegen. Der Wechsel an der Projektspitze ist somit keine Empfehlung der Revision, sondern eine Entscheidung von Palla.
Und die passt ins Bild. Schon als Chefin der Bahn-Tochter DB Regio hatte die 52-Jährige sich regelmäßig von Führungskräften getrennt, die nicht die geforderten Leistungen brachten. „Es ist wichtig, konsequent zu handeln, auch bei Personalfragen. Es kommt vor, dass Personen an einem bestimmten Punkt nicht mehr die richtigen sind, um Verantwortung zu tragen“, sagte Palla im Januar der Süddeutschen Zeitung.
Angesichts all der Verschiebungen und der steigenden Kosten zweifeln einige im Konzern schon länger an Drescher. Stuttgart 21 sollte einst 4,5 Milliarden Euro kosten und 2019 eröffnet werden, nun ist man bei mehr als elf Milliarden Euro und einer Eröffnung frühestens 2027. Drescher wurde 2018 zunächst technischer Geschäftsführer des Projekts, von Mitte 2020 an war er dann gesamtverantwortlich. In Stuttgart sehen gleichwohl manche noch größere Versäumnisse bei seinem Vorgänger, Manfred Leger.













