
Was bleibt an Söder hängen?
Süddeutsche Zeitung
Die CSU ist nach den vielen Niederlagen bei den Stichwahlen aufgescheucht. Es droht zwar keine Führungsdebatte, aber Markus Söder mahnt vorsorglich zur Geschlossenheit. Derweil spüren die Freien Wähler neue Stärke.
Vor der CSU-Zentrale in Münchens Norden haben sie Plakate aufgestellt, auf denen in großen Buchstaben steht: „Erfolg beflügelt.“ So richtig mag das nicht zu der Wahlanalyse passen, die Parteichef Markus Söder dann im Inneren des Gebäudes vornimmt. „Das war gestern ein durchwachsener Abend für die CSU“, sagt Söder. „Licht, viel Schatten und manches tut natürlich weh.“ Enttäuschung, Schmerzen, solche Worte fallen gleich mehrmals. „Ein Ergebnis, das man annehmen muss“, sagt Söder aber noch. Nichts schönzureden, aber auch nicht der Anlass, um sich selbst schlechtzureden. Wehklagen bringe nichts, also: „Ärmel hochkrempeln“.
Nun, die Plakate draußen sind Teil einer Werbekampagne für Neumitglieder. Denn mit Erfolg hatte das, was am Sonntagabend in der bayerischen Politik passiert ist, tatsächlich nichts zu tun. Der CSU ist die klare Dominanz bei den Landrätinnen und Landräten in Bayern weggebrochen. 53 der 71 Landkreise regierte Söders Partei zuvor, jetzt sind es nur noch 40. Vor allem die Freien Wähler sicherten sich in vielen Stichwahlen die Posten. Die Partei von Hubert Aiwanger kommt auf 28 Landratsämter, das ist fast schon Sichtweite zum großen Partner in der Bayern-Koalition. Der Anspruch der CSU, in Bayern auf der Ebene der Landräte weitgehend durchzuregieren, ist zerbröselt. Risse im Fundament der Partei.
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Woran lag’s? Söder trägt am Montag – zuvor hatte das CSU-Präsidium in einer Video-Schalte getagt – ein ganzes Bündel an Ursachen vor. „Wir mussten öfter in die Stichwahl als sonst“, sagt er. Schuld sei die AfD, die in Runde eins der Wahl vielerorts „die Architektur verändert“ habe. Und dann habe es in den Stichwahlen oft die Situation gegeben, „dass alle gegen uns waren“. Den Erfolg der Freien Wähler erklärt Söder damit, dass AfD-Wähler häufig FW-Kandidaten unterstützt hätten; dies berichten, so Söder, zumindest lokale „Matadore“ seiner Partei. Auch um die CSU zu „schleifen“, hätten AfD-Wähler in den Stichwahlen so entschieden: Seine Partei sei schließlich „das größte Bollwerk“ gegen Rechtsaußen.
Mehr noch, erklärt Söder: Kommunalwahlen seien Personenwahlen „und Stichwahlen ganz besonders“. Künftig müsse die Auswahl der Kandidatinnen und Kandidaten begleitet werden, „von hier aus“. Aus der Münchner Landesleitung also. Wer in den sozialen Medien präsent sei, sei bei den Wahlen erfolgreicher gewesen; hier gelte es zu lernen. Zudem gebe es keinen Amtsbonus mehr, „eher eine Form von Anti-Establishment“, befindet Söder. Und jeder kleine Fehler am Ort werde heutzutage vom Wähler bestraft, „über Gebühr“. Einen Parteibonus gebe es längst nicht mehr, nicht einmal einen „Unterstützungsbonus“. Söder war zuletzt viel im Land unterwegs, oft mit Bratwürsten, Döner und anderen Imbissen fürs Wahlvolk. Das CSU-Präsidium habe jetzt jedenfalls eine „ehrliche Analyse“ angemahnt, sagt Söder.













