
Grün, Frau, jung, Landrätin – das gab es in Bayern noch nie
Süddeutsche Zeitung
Die 37-jährige Daniela Groß entscheidet in Landsberg am Lech die Stichwahl gegen den CSU-Amtsträger mit deutlichem Abstand für sich – ein Coup. Wie ist ihr das gelungen?
Sie hat jetzt sogar einen Wikipedia-Eintrag. Dort zu lesen: Name, Geburtstag, ein bisschen politische Vita – insgesamt aber noch nicht besonders viel gemessen an der historischen Tragweite der Entscheidung. Denn im Landkreis Landsberg am Lech wurde Daniela Groß bei der Stichwahl am Sonntag zur Landrätin gewählt – als vorläufig einzige grüne Amtsinhaberin in Bayern. Und vor allem: als erste grüne Frau in einem solchen Amt überhaupt im Freistaat.
Auf einem Landratsposten hatten die Grünen bislang Wolfgang Rzehak in Miesbach und den jetzt scheidenden Jens Marco Scherf in Miltenberg. Die Dritte im Bunde ist nun also Daniela Groß. Die 37-Jährige hat politisch eine Blitzkarriere hingelegt. Erst 2019 ist sie bei den Grünen eingetreten, aus Frust über das Gebaren der „alten, weißen Männer“ – Putin, Orbán, Erdoğan, damals auch schon Trump. Schon im Jahr darauf wurde sie in den Landsberger Stadtrat und in den dortigen Kreistag gewählt. Und nun also: Landrätin – noch einmal eine Sprosse höher auf der politischen Leiter.
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Besonders lang ging es am Sonntag trotzdem nicht. Und das, obwohl die Grünen mit dem OB-Coup von Dominik Krause in München oder dem Sieg von Gerhard Schoder in Neuburg an der Donau noch etwas anderes zu feiern gehabt hätten. Um halb eins aber war die Party vorbei. Alkohol, das sei nicht so ihr Thema, sagt Groß. Lieber geht sie Joggen im Landsberger Wildpark. Wobei der sportliche Ausgleich im Wahlkampf quasi ausgefallen ist. Groß hat schließlich auch noch einen Job: In Türkheim im benachbarten Unterallgäu leitet die gelernte Verwaltungswirtin derzeit noch das Ordnungsamt der dortigen Verwaltungsgemeinschaft. Und sie hat Familie: Sie ist verheiratet und hat zwei Töchter, im Grundschul- und Kindergartenalter.
Ohne familiäre Unterstützung hätte das alles nicht funktioniert, sagt Groß. Allgemein ist sie sehr heimatverbunden. Ihre Familie ist seit Generationen in dem Landkreis verwurzelt, dem sie künftig vorstehen wird. Ihr Opa hat in Landsberg die Bäckerei Fischer gegründet, einen kleinen Familienbetrieb, wie es ihn nur noch selten gibt, mit nur einer Filiale in der Altstadt.













