
Warum der Iran-Schock vor allem Dieselfahrer trifft
n-tv
Benzin und Diesel werden beide aus Rohöl destilliert. Dennoch gibt es für beide unterschiedliche Märkte mit unterschiedlichen Preisentwicklungen. Im Gegensatz zum Superbenzin schlägt beim Diesel der Iran-Krieg direkt auf den Tankstellenpreis in Deutschland durch.
Benzin und Diesel werden beide aus Rohöl destilliert. Dennoch gibt es für beide unterschiedliche Märkte mit unterschiedlichen Preisentwicklungen. Im Gegensatz zum Superbenzin schlägt beim Diesel der Iran-Krieg direkt auf den Tankstellenpreis in Deutschland durch.
Für Autofahrer mit den in Deutschland so beliebten Dieselwagen ist es eine Schock-Marke: Laut der Erhebung des ADAC hat der durchschnittliche Dieselpreis an deutschen Tankstellen die 2-Euro-Grenze überschritten. Das sind nicht nur rund 18 Cent mehr als noch vor wenigen Tagen vor Beginn des Iran-Kriegs. Bemerkenswert ist auch, dass Diesel sich in der Krise deutlich stärker verteuert als Benzin. Der Preis für Superbenzin der Sorte E10 blieb laut ADAC mit genau 1,995 Euro knapp unter zwei Euro.
Seit vielen Jahrzehnten ist der Normalfall in Deutschland, dass Diesel deutlich günstiger als Super-Kraftstoff ist. Neben dem oft geringeren Verbrauch gegenüber Ottomotoren ist dieser Preisvorteil der Grund, warum sich Autokäufer so häufig für Dieselmotoren entscheiden. Grund für diesen Preisvorteil ist das "Dieselprivileg": Während auf einen Liter Superbenzin gut 65 Cent Energiesteuer entfallen, sind es bei Diesel nur 47 Cent pro Liter. Politischer Hintergrund war einmal die Absicht, Unternehmen und Gewerbe, die auf den Güterverkehr mit Dieselfahrzeugen angewiesen sind, zu entlasten.
Zuletzt war es 2022 auf dem Höhepunkt der Energiekrise am Beginn des Kriegs in der Ukraine dazu gekommen, dass der Diesel- über dem Benzinpreis lag. Auch in der Iran-Krise reagiert nun der Dieselpreis viel stärker als der Super-Kraftstoff. Diese unterschiedlichen Entwicklungen sind auf die unterschiedlichen Märkte zurückzuführen, auf denen die beiden Kraftstoffarten beziehungsweise ihre Vorprodukte gehandelt werden. Der Blick auf den Rohölmarkt – meist anhand der Preise für das Nordseeöl Brent und das amerikanische Leichtöl WTI – führt in die Irre. Die Rohölpreise beeinflussen die Spritpreise in Deutschland nur indirekt. Dagegen gibt es einen globalen Markt für Diesel, dessen Vorprodukt Gasoil und mehrere regionale Märkte für Benzin.
Die meisten Raffinerien produzieren sowohl Benzin als auch Diesel – in welchem Verhältnis, hängt von dem verwendeten Rohöl und dem technischen Verfahren ab. Beliebig anpassen je nach Marktlage lässt es sich nicht. Die Raffinerien in Deutschland und Westeuropa produzieren, gemessen an der hohen Dieselnachfrage, zu wenig Diesel und zu viel Benzin. Deshalb exportiert Europa Benzin – unter anderem in die USA – und importiert Diesel und Gasoil. Früher kam dies zu erheblichen Teilen aus Russland, seit dem Krieg gegen die Ukraine vermehrt auch aus der Golfregion.













