
Trump hat Europa mit LNG-Lieferungen in der Hand
n-tv
Vor dem Ukraine-Krieg hing Europa an Moskaus Energie-Tropf. Derselbe fatale Fehler wiederholt sich nun mit den USA: Durch US-Flüssiggas-Exporte hat Donald Trump ein massives Druckmittel in seinem Wirtschaftskrieg gegen Europa.
Vor dem Ukraine-Krieg hing Europa an Moskaus Energie-Tropf. Derselbe fatale Fehler wiederholt sich nun mit den USA: Durch US-Flüssiggas-Exporte hat Donald Trump ein massives Druckmittel in seinem Wirtschaftskrieg gegen Europa.
Es war ein Schockmoment: Wenige Monate nach dem Einmarsch in die Ukraine drehte Russlands Präsident Wladimir Putin Europa im Sommer 2022 den Gashahn zu. Erst schützte der Kreml angebliche technische Probleme vor, dann erklärte Gazprom den Lieferstopp auf unbestimmte Zeit. Und schließlich sprengten Saboteure die Nordstream-Pipelines in der Ostsee - mutmaßlich allesamt Ukrainer, die mit Unterstützung der Regierung in Kiew gehandelt haben sollen. Die Energiepreise explodierten, Europa musste seine Versorgung in Echtzeit umbauen. Seitdem hat Brüssel seine Abhängigkeit von Russland massiv reduziert. Und sich dabei in die Arme des nächsten Lieferanten geflüchtet, der die EU erpressen könnte.
Denn ähnlich abhängig wie Europa einst von russischem Gas war, ist der Kontinent nun von Lieferungen aus den USA. Und es steht zu befürchten, dass US-Präsident Donald Trump diesen Trumpf im schwelenden Konflikt mit Europa demnächst ausspielen könnte. "Wir sind von einer massiven Abhängigkeit in die nächste geraten", zitiert die "New York Times" Henning Gloystein von der Beratungsfirma Eurasia Group. "Vor drei Jahren war das noch kein Problem. Aber jetzt schon."
Jahrzehntelang hing Europa am Tropf des Kremls. Vor Putins Überfall auf die Ukraine kamen 2021 rund 45 Prozent aller EU-Gasimporte aus Russland. Inzwischen sind es laut dem Brüsseler Thinktank Bruegel nur noch knapp 12 Prozent. Gerettet hat der Kontinent seine Energieversorgung vor allem mit Importen von Flüssiggas (LNG) aus den USA: Von gerade mal rund 6,5 Prozent im Jahr 2021 auf inzwischen mehr als ein Viertel der gesamten EU-Gasimporte haben sie sich mehr als vervierfacht. Mehr als 60 Prozent aller LNG-Lieferungen kommen inzwischen aus Übersee. Nach Pipeline-Gas aus Norwegen sind sie derzeit Europas wichtigste Energieversorgungslinie. Falls Trump sie kappen sollte, könnte die EU erneut Probleme bekommen wie im Sommer 2022, als Putin den Gashahn zudrehte.
Die Angst ist, dass genau das bald passieren könnte. Denn Donald Trumps Annexionsgelüste gegenüber Grönland sind keine vorübergehende Episode der US-Außenpolitik. Die MAGA-Bewegung sieht laut offizieller US-Sicherheitsstrategie in Europa ihren ideologischen Hauptfeind, weil der Kontinent die Werte vertritt, die Trump in den USA abschaffen will. Sein Angriff auf die Demokratie könnte sich daher mittelfristig auch auf die Heiztemperatur deutscher Wohnzimmer und die Betriebstemperatur deutscher Werkshallen auswirken. Denn in seinem Wirtschaftskrieg gegen die EU wäre es für Trump ein Leichtes, auf die Gas-Bremse zu treten.

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