
Polizei ermittelt gegen Kollegen wegen unterlassener Hilfeleistung
Süddeutsche Zeitung
Vor knapp zwei Wochen wurde in einer Wohnung in Moosach eine Tote gefunden. Ein Verdächtiger war schnell festgenommen, doch nun nimmt der Fall eine überraschende Wendung.
Eine tote Frau in einer Wohnung in Moosach, der Wohnungsbesitzer vor der Tür als möglicher Täter festgenommen – die Tat, wegen der die Münchner Polizei seit dem Abend des 19. März ermittelt, schien relativ klar zu sein. Doch nun hat der Fall eine überraschende Wendung genommen.
Wie das Präsidium am Mittwochnachmittag berichtete, wurde ein Ermittlungsverfahren gegen einen Polizeibeamten eingeleitet. Er hatte wohl in der Nacht vor der Tat Dienst in der Notrufzentrale. Die Handydaten des Opfers belegen, dass von diesem Gerät gegen drei Uhr der Polizeinotruf angerufen wurde. Dabei habe der Eindruck entstehen können, die Person am anderen Ende befinde sich möglicherweise in einer Notsituation.
Es seien nun laut einem Sprecher der Polizei „Zweifel daran entstanden, dass der den Anruf entgegennehmende Polizeibeamte im Anschluss an das Telefonat alle erforderlichen Maßnahmen in die Wege geleitet hat“. Die Anrufe in der Notrufzentrale werden im Normalfall aufgezeichnet.
Darüber seien die Staatsanwaltschaft und das Landeskriminalamt (LKA) informiert worden. Diese führten nun ein Ermittlungsverfahren wegen unterlassener Hilfeleistung gegen den Beamten. Wenn gegen Polizeibeamte wegen möglicher Straftaten oder Dienstvergehen ermittelt wird, ist dafür das Sachgebiet 131 des LKA, „Interne Ermittlungen“, zuständig. Der Beamte wird bis auf Weiteres nicht mehr in der Notruf- oder Anzeigenaufnahme eingesetzt, ist allerdings nicht beurlaubt.
Der als möglicher Täter festgenommene Mann ist ein 32-jähriger Türke. Er und die Frau kannten sich wohl, welcher Art die Beziehung war, ist aber noch unklar. Ein Ermittlungsrichter erließ einen Haftbefehl wegen Totschlags, seitdem sitzt der Beschuldigte in Untersuchungshaft.





