
Großeinsatz der Polizei: Munitionsfund in einer Ismaninger Wohnung
Süddeutsche Zeitung
In der Nacht zum Karfreitag muss ein Wohnhaus in Ismaning zeitweilig evakuiert werden, Straßen werden gesperrt, Sprengstoffexperten sind im Einsatz. Gefunden werden unter anderem Nazi-Devotionalien.
Auf eine Wohnung voller Munition und Waffen ist die Münchner Polizei bei einem Großeinsatz am Abend des Gründonnerstag gestoßen. Aus einem Haus an der Krausstraße in Ismaning, einer Vorortgemeinde im Norden, war ein „verdächtiger Gegenstand“ gemeldet worden. Das Haus wurde evakuiert, die umliegenden Straßen gesperrt, das Spezialeinsatzkommando (SEK) und die Sprengstoffexperten des Landeskriminalamts rückten an.
Nach Angaben eines Polizeisprechers hatten Hausbewohner den Mann schon seit mehreren Tagen nicht mehr gesehen und deshalb die Rettungsleitstelle alarmiert. Als Feuerwehrleute und Polizisten die Wohnung betraten, entdeckten sie den Vermissten, der krank auf dem Boden lag. Auf einem Tisch befand sich ein Wecker, der aussah, als sei er mit Dynamitstangen verbunden. Weil der alkoholkranke Mann sich offenbar in einem schlechten gesundheitlichen Zustand befand, wurde er in eine Münchner Klinik gebracht.
Anschließend machte sich die Technische Sondergruppe (TSG) des Landeskriminalamts (LKA) ans Werk. Die Fachleute für gefährliche Stoffe und Gegenstände mussten erst einmal herausfinden, um welche Munition es sich im einzelnen handelt und welche Gefahr von ihr konkret ausgeht. Es besteht der Verdacht, dass der Mann gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstoßen haben könnte. Gefunden wurden neben Munition mehrere sogenannte Anscheinswaffen und Messer. Kurz nach Mitternacht konnten die Bewohner der übrigen sechs bis acht Apartments in das Haus zurückkehren, die Straßensperren wurden aufgehoben. Die Hintergründe des Vorfalls sind noch unklar.
Immer wieder haben es Münchner Einsatzkräfte mit Menschen zu tun, die Waffen, Munition und Sprengstoff in ihren Wohnungen horten. Oft stellt sich dann heraus, dass die Verdächtigen der in München rund 400 Köpfe zählenden Reichsbürger-Bewegung zuzurechnen sind. Ob das auch im Ismaninger Fall zutrifft, ist derzeit offen. Die Einsatzkräfte stießen in der Wohnung allerdings auch auf Nazi-Devotionalien. Der Staatsschutz der Münchner Kriminalpolizei ist deshalb in den Fall eingeschaltet.
Bei der Festnahme eines 55-Jährigen im März vor drei Jahren im Münchner Stadtteil Neuhausen war die Polizei auf ein ganzes Waffenarsenal gestoßen: Neben Messern und Schlagstöcken wurden in der Wohnung eine Armbrust, eine halbautomatische Pistole, mehrere Tausend Stück Munition sowie drei funktionsfähige Handgranaten entdeckt. Im Oktober desselben Jahres wurden in der Wohnung eines Ehepaars in Freimann mehr als hundert Schusswaffen und Waffenteile und mehrere hundert Kilogramm Munition sichergestellt.





