
"Nur Bruchteil der Spritpreiserhöhungen lässt sich mit Ölpreis erklären"
n-tv
Steigt der Ölpreis, gehen die Kraftstoffpreise schneller und stärker nach oben, als sie bei einem Preisrückgang sinken. Den Preisschock infolge des Iran-Kriegs nutzen Mineralölkonzerne sogar für noch größere Gewinne als sonst.
Steigt der Ölpreis, gehen die Kraftstoffpreise schneller und stärker nach oben, als sie bei einem Preisrückgang sinken. Den Preisschock infolge des Iran-Kriegs nutzen Mineralölkonzerne sogar für noch größere Gewinne als sonst.
Die Mineralölkonzerne nutzen den Ölpreisschock im Zuge des Iran-Kriegs tatsächlich, um die Spritpreise in Deutschland ungewöhnlich stark anzuheben. Bei Diesel und Heizöl ist der Preisanstieg verglichen mit ähnlichen Entwicklungen in der Vergangenheit sogar besonders auffällig. Zu diesem Ergebnis kommt der Ökonom Ferdinand Fichtner in einer aktuellen Berechnung. Der Ölpreis erkläre nur einen Bruchteil der Spritpreiserhöhungen der vergangenen Wochen - beim Diesel nur ein Drittel bis die Hälfte, sagte der VWL-Professor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin ntv.
Bei einem Ölpreisanstieg legten die Kraftstoffpreise in der Vergangenheit schneller und auch stärker zu, als sie bei einem Preisrückgang sanken, wie Fichtner vorrechnet. Der Anstieg seit Anfang März gehe aber weit über das hinaus, was auf Basis der vergangenen Preissteigerungen zu erwarten wäre. Derzeit seien Dieselpreise in der Größenordnung von 2,20 Euro zu sehen, während nach seinen Berechnungen 1,90 Euro plausibler wären. Die Preiserhöhung sei nicht im Einklang mit dem Agieren der Mineralölkonzerne in den vergangenen zehn Jahren.
Für vergangene Ölpreisanstiege wies Fichtner nach, dass eine Erhöhung von zehn Euro pro Barrel den Dieselpreis langfristig um gut acht Cent steigen ließ. Bei einem Rückgang des Ölpreises um zehn Euro sank der Dieselpreis in einer ähnlichen Größenordnung, allerdings nur langfristig. Der Rückgang ging deutlich langsamer vonstatten als der Dieselpreis-Anstieg. Übertragen auf die aktuelle Ölpreiskrise wäre demnach ein Dieselpreis von etwa 1,90 Euro zu erwarten.
Von Abzocke, wie die Regierungskoalition die Preissteigerungen nennt, will der Wissenschaftler nicht sprechen. Doch gerade würden große Gewinne gemacht. Zwar seien die gestiegenen Preise ein berechtigtes Signal dafür, dass das Angebot knapper geworden ist. Einen kritischen Blick auf die Machtstrukturen auf dem Markt hält Fichtner trotzdem für sinnvoll.













