
Missbrauchen Versorger die Preisbremsen für Aufschläge?
n-tv
Bald übernimmt der Staat einen Teil der Strom- und Gasrechnung. Die Bundesregierung will per Gesetz verhindern, dass die Anbieter die Preisbremsen für unverhältnismäßige Preissteigerungen nutzen. Experten befürchten trotzdem eine "kreative" Ausgestaltung und Mitnahmeeffekte.
Strom- und Gaskunden müssen nun auch in der Grundversorgung mit deutlichen Preiserhöhungen rechnen. Bei manchen Stadtwerken verdoppelt sich der Strompreis zum Jahreswechsel sogar. Verbraucherschützer, Marktexperten und sogar ein Branchenvertreter warnen vor Mitnahmeeffekten, also überhöhten Preissteigerungen, weil bald die Preisbremsen für Gas und Strom greifen.
Bei einem Großteil des Verbrauchs übernimmt der Staat im nächsten Jahr rückwirkend ab Januar die Differenz zwischen dem vom Anbieter verlangten Arbeitspreis und den beschlossenen "Preisdeckeln" von 12 Cent pro Kilowattstunde beim Gas und 40 Cent beim Strom. Das Gesetz zur Gaspreisbremse soll Aufschläge, die nicht durch die gestiegenen Ausgaben der Anbieter oder das übliche Marktgeschehen gerechtfertigt sind, verbieten. Doch ein Missbrauch ist kaum zu kontrollieren.
In der Grundversorgung müssen Kunden sechs Wochen vor einer Preiserhöhung informiert werden, deshalb flatterte vielen Verbrauchern zum vergangenen Wochenende eine Nachricht ihrer Stadtwerke ins Haus. Recherchen des "Handelsblatts" zeigen teils drastische Steigerungen beim Strompreis zum 1. Januar. So steigt der Arbeitspreis in München von gut 29 auf fast 62 Cent pro Kilowattstunde. In Leipzig werden dann gut 52 statt bisher knapp 25 Cent fällig. Auch andere Stadtwerke verlangen künftig mehr als 50 Cent pro Kilowattstunde. Dabei erhöhen andere deutlich weniger, in Wuppertal etwa kostet die Kilowattstunde ab Januar gut 42 Cent - nicht einmal 5 Cent mehr als aktuell.
