
Müssen wir zurück zur preußischen Arbeitsethik, Herr Werner?
n-tv
Deutschlands Wirtschaft schwächelt, doch die Ursachen liegen tiefer als die Debatte um die Arbeitsmoral vermuten lässt. Im Interview räumt dm-Chef Christoph Werner mit Klischees über die Viertagewoche und "Lifestyle-Teilzeit" auf. Stattdessen identifiziert er andere Hürden als wahre Bremse.
Deutschlands Wirtschaft schwächelt, doch die Ursachen liegen tiefer als die Debatte um die Arbeitsmoral vermuten lässt. Im Interview räumt dm-Chef Christoph Werner mit Klischees über die Viertagewoche und "Lifestyle-Teilzeit" auf. Stattdessen identifiziert er andere Hürden als wahre Bremse.
ntv.de: In der aktuellen Debatte wird Deutschland oft eine "Abkehr von der Leistungsgesellschaft" unterstellt. Hand aufs Herz: Erleben Sie Ihre über 60.000 Mitarbeitenden weniger motiviert als früher? Sind die arbeitsmüde geworden?
Christoph Werner: Ich erlebe die Kolleginnen und Kollegen bei dm sehr engagiert, initiativ und kreativ. Aus diesem Grund entwickeln wir uns als Unternehmen auch so erfolgreich. Wichtig scheint mir jedoch, differenziert auf die deutsche Wirtschaft zu blicken. Denn zum einen haben wir Unternehmen wie dm und andere Einzelhändler, die ihre Leistung in Deutschland unter Wettbewerbsbedingungen erbringen, die für alle Marktteilnehmer gelten. Zum anderen haben wir exportorientierte Unternehmen, die zwar in Deutschland produzieren, aber im Ausland verkaufen und damit im internationalen Wettbewerb stehen. Diese tun sich zunehmend schwer, weil in anderen Ländern sehr gut ausgebildete und aufstiegsorientierte Menschen bereit sind, den beruflichen Erfolg sehr hoch zu priorisieren. Außerdem ist der marktwirtschaftliche Rahmen oft liberaler als bei uns. Infolgedessen haben es Produkte, die in Deutschland hergestellt werden, auf dem internationalen Markt nicht mehr so leicht, Absatz zu finden. Das ist eine Herausforderung. Daraus die Schlussfolgerung zu ziehen, die Deutschen seien 'arbeitsmüde', greift jedoch zu kurz.
Was beobachten Sie stattdessen?
Die deutsche Gesellschaft tendiert inzwischen zu einer stärkeren Individualisierung. Die Frage lautet nicht mehr so sehr: "Was kann ich für mein Land tun?" oder "Was kann ich für die Arbeitsgemeinschaft leisten?", sondern: "Was kann das Land oder die Arbeitsgemeinschaft für mich tun?" Die aktuellen Gerechtigkeitsdebatten spiegeln meines Erachtens genau dieses gesellschaftliche Klima wider.

Ugur Sahin und Özlem Türeci entwickelten mit dem von ihnen gegründeten Unternehmen Biontech in der Corona-Pandemie einen Impfstoff. Doch bis Ende des Jahres soll für sie beim Biotechnologie-Konzern in Mainz Schluss sein. Sie haben neue Pläne, bei denen sie erneut mRNA-Technologien einbringen wollen.












