
Japans "Kawaii-Ökonomie" ist längst kein Nischenphänomen mehr
n-tv
Rote Schleifen, glänzende Augen und ein Milliardenbusiness: Hello Kitty begeistert seit mehr als 50 Jahren Fans weltweit - und ist heute wertvoller als viele Hollywood-Helden. Der kulturelle Sog Japans hat sich zu einer bemerkenswerten Gelddruckmaschine gewandelt.
Rote Schleifen, glänzende Augen und ein Milliardenbusiness: Hello Kitty begeistert seit mehr als 50 Jahren Fans weltweit - und ist heute wertvoller als viele Hollywood-Helden. Der kulturelle Sog Japans hat sich zu einer bemerkenswerten Gelddruckmaschine gewandelt.
Dicht gedrängt warten Hunderte von Teenagern, ihre Mütter, Väter oder Großmütter vor dem Ausstellungsbereich im Kyoto City Kyocera Museum of Art, über dem der Slogan "Hello Kitty: As I change, so does she" prangt. Die Wangen der Besucher glühen voll Vorfreude, ihre Augen blitzen, viele haben sich dem Anlass entsprechend ausstaffiert: rote oder pinkfarbene Schleifen im Haar, dazu Halskettchen, Sweatshirts, Umhängetaschen und was es sonst noch alles mit dem Katzengesicht zu kaufen gibt. Und das Angebot ist wirklich riesig - auch im Museumsshop, den mancher Teenie schon vorab mit der Kreditkarte der Eltern durchstöbert hat.
Dann öffnen sich die Türen zur größten, jemals an einem Ort gezeigten Sammlung von Hello-Kitty-Produkten samt überdimensionaler Kulissen für das perfekte Instagram-Bild. Alles ungemein "kawaii", also "niedlich". Und auch 52 Jahre nach dem Debüt der putzigen Katze, die immer Grundschülerin bleibt, ist das Geschäft geradezu monströs lukrativ.
Überhaupt hat sich der kulturelle Sog Japans zu einer bemerkenswerten Gelddruckmaschine gewandelt. Besonders seit der Pandemie sammelt das Land Tourismusrekorde und exportiert, begünstigt durch den schwachen Yen sowie die staatliche "Cool Japan"-Kampagne, so viele Comics (Mangas), Zeichentrickfilme (Anime), Videospiele sowie damit verbundene Lizenzprodukte wie noch nie. Als Exportgut haben sie Halbleiter hinter sich gelassen, nur Autos sind noch wichtiger.
Allein Hello Kitty hat seit 1974 geschätzte 80 Milliarden Dollar an Franchise-Umsatz erwirtschaftet und liegt damit weltweit auf Rang zwei der erfolgreichsten Medienfiguren: hinter Pokémon und noch vor Micky Maus sowie "Star Wars". "Japan versteht es, Produkte zu personifizieren, und produziert Charaktere und geistiges Eigentum in atemberaubendem Tempo", sagt Kohei Okazaki, Chefökonom bei Nomura Securities dem Wirtschaftsdienst "Bloomberg". Nostalgische Figuren, die Erwachsene als Kinder liebten, erlebten nun ihr Revival bei deren Nachwuchs.













