
Frauen haben in Bayerns Kommunalpolitik wenig zu sagen
Süddeutsche Zeitung
Erste Bilanzen nach den Kommunalwahlen zeigen: Auch die Motivationskampagne „Bavaria ruft“ hat wenig gebracht. Viele Frauen treten erst gar nicht an. Und wenn, dann werden sie nicht gewählt.
Die Kommunalwahlen in Bayern haben allerhand Überraschungen mit sich gebracht: Etablierte Amtsinhaber wurden abgewählt, die Freien Wähler fügten der CSU schwere Niederlagen in den Stichwahlen zu, die Grünen stellen jetzt den Oberbürgermeister in der Landeshauptstadt, in Landsberg am Lech gibt es die erste grüne Landrätin Bayerns. Eines jedoch hat sich nicht geändert: Frauen haben in der bayerischen Kommunalpolitik nach wie vor wenig zu sagen.
Die offizielle Auswertung des Landesamts für Statistik über den Frauenanteil in Ämtern und Gremien wird erst im August vorliegen, doch fest steht bereits, dass noch mehr Männer in die Spitzenämter gewählt wurden als zuvor. Die 25 kreisfreien Städte in Bayern werden jetzt alle von Männern geführt, zuvor gab es Oberbürgermeisterinnen zumindest in den drei Rathäusern in Augsburg, Regensburg und Hof. Statt sieben Landrätinnen sind es noch sechs.
Wiedergewählt wurde Tamara Bischof im Landkreis Kitzingen für die Freien Wähler. Die Landrätin ist seit dem Jahr 2000 im Amt, nach der langen Zeit wird bei ihr zumindest nicht mehr hinterfragt, ob sie das überhaupt könne, obwohl sie eine Frau ist. Am Anfang sei das freilich schon so gewesen, sagt sie.
„Ich als Frau finde es besonders bedauerlich, dass wir nicht mehr Oberbürgermeisterinnen und Landrätinnen haben“, sagt sie. Aber auch in ihrem Kreistag hat sich der Frauenanteil verringert. 17 von 60 Mitgliedern sind weiblich, zuvor waren es wenigstens 20. Vor allem jüngere Kandidatinnen seien nicht gewählt worden, sagt Bischof.
In den vergangenen Monaten hatte sich die parteiübergreifende Initiative „Bavaria ruft“ bemüht, mehr Frauen zur Kandidatur zu bewegen. Das sei auch gelungen, teilte das Bündnis mit, noch nie zuvor seien so viele Frauen bereit gewesen zu kandidieren. Für die Gremien zumindest, für die Spitzenämter sind noch weniger Frauen angetreten als 2020, der Anteil lag nur bei etwa 20 Prozent.

An diesem Sonntag entscheiden die Wählerinnen und Wähler, wer in den nächsten sechs Jahren als Oberbürgermeister die Geschicke der Stadt lenkt: Amtsinhaber Dieter Reiter oder Herausforderer Dominik Krause. Es könnte die spannendste Stichwahl werden, die München je erlebt hat. Alle Entwicklungen im Live-Blog.












