Chinas Super-Botschaft in London kommt - trotz Widerstand
ZDF
Großbritannien hat den Bau einer neuen chinesischen Botschaft in London genehmigt. Spionagexperten und chinesische Oppositionelle warnen.
Die britische Regierung hat den Bau einer neuen chinesischen "Super-Botschaft" in London genehmigt. Sicherheitsexperten warnen, sie könnte zum Zentrum von Spionage werden. Chloe Cheung versteckt sich nicht. Die Pro-Demokratie-Aktivistin hat sich 2019 an den Protesten in Hongkong beteiligt. Später floh sie nach Großbritannien. In London ging Cheung am Wochenende nun wieder auf die Straße. Mit dem Bau einer neuen chinesischen Superbotschaft verbinden sie und andere Exil-Hongkonger eine konkrete Angst: "China ist dafür bekannt, Aktivisten zu foltern und Menschen zu misshandeln, die offen Kritik üben. So etwas wollen wir im Vereinigten Königreich nicht erleben. Wir sind entsetzt", sagt Cheung. China aber darf die Botschaft bauen, die britische Regierung gab am Dienstag ihren Segen. Auch allen Befürchtungen einiger Sicherheitsfachleute und Politiker zum Trotz, die neue Botschaft könne zum Zentrum chinesischer Spionage und eine Gefahr für die nationale Sicherheit werden. 2018 hatte China Royal Mint Court, das Gelände der ehemaligen königlichen Münzprägeanstalt, für umgerechnet mehr als 290 Millionen Euro gekauft. Das 22.000 Quadratmeter große Gelände liegt mitten im Herzen Londons, einen Steinwurf von der berühmten Tower Bridge und dem Tower of London entfernt. Das Go zum Kauf kam vom damaligen Außenminister Boris Johnson. Der bezeichnete das Bauprojekt als die "größte diplomatische Investition Chinas im Ausland". Sein Ministerium hatte keine Bedenken. Die kamen erst später - wegen der schieren Größe des Baus und wegen dessen Lage, nahe des Finanzdistrikts der Stadt. "Weil es sich um chinesisches Hoheitsgebiet handeln würde, werden sie Antennen auf ihren Dächern installieren", erklärt der britische Geheimdienstexperte Philip Ingram. Auch die Nähe zu wichtigen unterirdischen Glasfaserkabeln bereitete Experten Bauchschmerzen: Sie anzuzapfen sei für die Chinesen nicht schwer. Passend dazu tauchten kurz vor der Entscheidung unzensierte Baupläne vom Kellerbereich auf: Sie zeigen mehr als 200 Räume und eine geheime Kammer, direkt neben den Kabeln.













