33 Tage Geiselhaft: Die Reemtsma-Entführung 1996
ZDF
Vor 30 Jahren wurde Jan Philipp Reemtsma entführt. Der Fall erregte viel öffentliche Aufmerksamkeit. Ein Rückblick auf die Reemtsma-Entführung.
Es war einer der aufsehenerregendsten Entführungsfälle der deutschen Nachkriegsgeschichte. Er veränderte die Polizeiarbeit und den Umgang mit Opfer-Familien. 25. März 1996 im Garten der Villa von Jan Philipp Reemtsma: eine Handgranate, darunter ein Erpresserschreiben und keine Spur von Jan Philipp Reemtsma. Der scheue Millionen-Erbe war von Unbekannten gekidnappt worden. Das Schreiben war deutlich, so erzählt es Dieter Langendörfer, später Leiter der SOKO Reemtsma: "Erstens: keine Polizei!" Die Lösegeldforderung lag bei 20 Millionen Mark. In dem Schreiben wurde der Familie gedroht: 33 Tage wurde Jan Philipp Reemtsma in einem Keller gefangen gehalten. Er fühlte sich aus der Welt gefallen, aus dem Leben geschlagen, wie er später schrieb. Auch für die Familie und die Ermittler war es eine belastende Zeit, denn eine Entführung gehört zu den am schwersten aufzuklärenden Delikten überhaupt. Es dauerte auch deshalb so lange, weil die Täter sehr vorsichtig waren: Es wurde über verschlüsselte Kleinanzeigen kommuniziert. Als nach einigen Tagen endlich ein Foto und eine Nachricht auf Band eintraf, war die Stimme stark verzerrt. Sie war kaum zu verstehen. Die Ehefrau war bereit zu zahlen, die Polizei sollte sich im Hintergrund halten. Aber obwohl sie und ihr Anwalt alle Anweisungen befolgten, scheiterte die Lösegeldübergabe zweimal. Der Kontakt zu den Entführern schien abgebrochen, so erzählt es Langendörfer. Psychologen meinten, die Todeswahrscheinlichkeit läge bei weit über 90 Prozent. Die dritte Lösegeldforderung: 30 Millionen Mark. Die Ehefrau wollte unmarkierte Scheine durch Privatpersonen übergeben lassen. Für Ermittler Langendörfer ein Schock, denn damit war er zunächst auf Abstand gehalten: Das pralle natürlich mit dem Interesse der Familien aufeinander, die oft zahlen und möglichst schnell das Opfer befreien wollen, so Langendörfer. Dieser Fall war der Polizei dazu eine Lehre. Die dritte Geldübergabe gelang.













