
Telekom verlegt mehr Glasfaser zu Einfamilienhäusern
Süddeutsche Zeitung
Das Bonner Dax-Mitglied verbuddelt mehr Leitungen als alle Konkurrenten zusammen. Doch viele Bürger scheuen den Umstieg auf die teuren Glasfaserverträge. Das möchte der Konzern ändern.
Bei der Bilanzpräsentation in der Zentrale der Deutschen Telekom geht es um große Zahlen: Milliardenumsätze, Millionen Kunden. Zu Beginn steht allerdings eine kleine Zahl im Fokus. Da posiert Konzernchef Timotheus „Tim“ Höttges mit einer Ein-Euro-Münze für die Fotografen. Denn für das abgelaufene Geschäftsjahr wird das Bonner Dax-Mitglied erstmals ein Euro Dividende pro Aktie an die Anteilseigner ausschütten, nach 90 Cent im Vorjahr. Schließlich sind auch die Gewinne des Unternehmens mit weltweit fast 200 000 Beschäftigten gestiegen.
Die Bilanzvorlage am Donnerstag zeigte jedoch wieder, dass in erster Linie die US-Tochter die erfreuliche Entwicklung antreibt. Der Umsatz des Gesamtkonzerns wuchs um drei Prozent auf 119 Milliarden Euro, unter dem Strich blieben nahezu zehn Milliarden Euro Gewinn hängen, ein Plus von vier Prozent. Bei T-Mobile US legten die Profite aber deutlich schneller um sieben Prozent zu, fast zwei Drittel des Betriebsgewinns stammen inzwischen aus den Vereinigten Staaten.
Der deutsche Markt steht nach Worten von Höttges bloß noch für 17 Prozent des Geschäfts. Hier investiert das Unternehmen vor allem in den Glasfaserausbau. Die Zahl der Haushalte, bei denen Telekom-Glasfaser vor der Haustür liegt, stieg 2025 um 2,5 auf 12,6 Millionen. Der Konzern verbuddelt damit mehr dieser schnellen Internetleitungen als sämtliche deutschen Wettbewerber zusammen. Doch haben nur 16,4 Prozent der möglichen Kunden wirklich einen Glasfaservertrag bei der Telekom unterschrieben. Solche Anschlüsse bieten die schnellsten und stabilsten Verbindungen und gelten als Netz der Zukunft. Trotzdem bleiben viele Bürger lieber bei den billigeren Internetanschlüssen mit Kupferleitungen, also über Telefon- oder TV-Kabel.
Vor einem Jahr lag die Quote der Glasfaser-Fans aber erst bei 14,8 Prozent: Es geht langsam aufwärts. Allein in den letzten drei Monaten von 2025 schlossen 164 000 Kunden einen Telekom-Glasfaservertrag ab – „unser bestes Quartal aller Zeiten“, wie Rodrigo Diehl sagt, seit einem Jahr Chef des Deutschlandgeschäfts.
Bei Wettbewerbern wie Deutsche Glasfaser oder Stadtwerken sind die Anschlussquoten deutlich höher. Rivalen werten diese Diskrepanz als Indiz dafür, dass der Marktführer gar kein Interesse daran habe, dass Bürger vom Telekom-Kupfernetz auf Glasfaser umsteigen. Stattdessen verlege der Konzern Glasfaser vor allem deshalb, um Konkurrenten von Investitionen in diesen Gegenden abzuhalten. Telekom-Vertreter weisen solche Vorwürfe stets zurück.













