
In guten wie in schlechten Zeiten
Süddeutsche Zeitung
Heiraten in einem baufälligen Zweitligastadion inmitten architektonischer Überreste des Nationalsozialismus? Der Club macht’s möglich.
Nicht alle halten sich daran, aber kundigen Ratgebern zufolge sollte man im Leben nur einmal heiraten. Es bedarf daher gründlicher Überlegungen zu der Frage, wie und wo man die Hochzeit begeht – das Eheleben soll ja traumhaft schön und romantisch beginnen.
Man könnte sich also im kleinen Kreis vermählen und im eigenen Garten feiern, man könnte ein Bauernhaus auf dem Land mieten oder die sehr angesagte Location in der Stadt. Laut Instagram-Algorithmus ist die Toskana eine ausgesprochen beliebte Destination. Was einem nicht direkt in den Sinn käme, wäre ein baufälliges Zweitligastadion inmitten architektonischer Überreste des Nationalsozialismus.
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Es kommt einem schon bei gewöhnlichen Heimspielen des ortsansässigen Fußballvereins befremdlich vor, in welcher Bierseligkeit die Menschen an dieser gigantomanischen Kulisse vorbeispazieren. Aber diese Vorstellung wäre ja nun wirklich bizarr – im Hochzeitskleid auf das ehemalige Reichsparteitagsgelände.
Praktischerweise ist man bereits verheiratet und hat vor, sich an kundige Ratgeber zu halten, weswegen man nicht mehr in die Verlegenheit kommen sollte, sich nach dem richtigen Ort umzuschauen. Die Möglichkeit bestünde nun aber: „Heiraten im Max-Morlock-Stadion: Ein besonderer Trauort für Nürnberg“, lautete am Dienstag die Überschrift einer Pressemitteilung der Stadt und Oberbürgermeister Marcus König erklärte etwas salbungsvoll: „Hier schlagen Herzen seit Generationen im gleichen Takt – für den Verein und füreinander.“ Wer an diesem Ort Ja sage, zeige: „Ich bereue diese Liebe nicht – weder zum Partner noch zum Club.“













