
Es geht auch ohne Andi Wolff
Süddeutsche Zeitung
David Späth und Debütant Lasse Ludwig zeigen im Länderspiel gegen Ägypten, dass ihnen die Zukunft im deutschen Handballtor gehört – nur denkt Stammkeeper Andreas Wolff noch gar nicht ans Aufhören.
Der freie Wurf der Ägypter war gerade erst pariert, da sprang David Späth umher, er schrie mit weit aufgerissenem Mund und ballte die Fäuste, sein ganzer Körper bebte. Dann ein kurzer Sprint, eine auffordernde Geste ans Publikum; die Leute lieben den deutschen Handballtorwart für diese emotionalen Ausbrüche.
Es war ein besonderer Abend für Späth am Donnerstag in Dortmund. Zwar nur ein Testspiel gegen Ägypten, das die deutschen Handballer ohne allerletzte Anstrengung 41:38 (21:18) gegen den Afrikameister gewannen. Für Späth, 23, war es aber eine Partie im Rang des ersten deutschen Torstehers – nicht als Nummer zwei hinter Andreas Wolff, 35, dem international gefürchteten deutschen Keeper, der manchmal so gut hält, dass Späth auf der Bank nur anfeuern und staunen kann. Beim Deutschen Handballbund (DHB) sprechen sie zwar nicht von der „Nummer zwei“, sondern von der „1b“, Späths Rolle ist trotzdem klar bestimmt.
Einer der begehrtesten deutschen Handballer hat seine Zukunft geklärt: Justus Fischer wechselt 2027 zum THW Kiel, dort tritt er ein großes Erbe an.
Handballtorhüter sind keine Einzelkämpfer. Sie arbeiten immer im Team, motivieren und pushen einander, geben sich Tipps. Hauptsache, einer von zwei Torstehern hat einen guten Tag, lautet die Faustregel. Bei der Europameisterschaft im Januar, als das deutsche Team Silber gewann, hatte Wolff ziemlich viele gute Tage, entsprechend minimierte sich die Spielzeit für Späth. Bis auf das Hauptrundenspiel gegen Dänemark, als Späth überraschend im Tor begann. Und hinterher mitten im Sturm der Kritik stand.
Späth hielt gut in diesem Spiel, wenngleich er die Niederlage gegen den Favoriten nicht verhindern konnte. Der frühere Nationalspieler Pascal Hens sagte hinterher trotzdem, Bundestrainer Alfred Gislason habe die Partie mit dieser Aufstellung vorzeitig „abgeschenkt“. Späth fand diese Aussagen „respektlos“. Er sei schließlich „ein Teil der Mannschaft. Dafür so eine Hatewelle abzubekommen, ist schon brutal“, sagte er in einem Interview.













