
„Emma fährt gerade unglaublich“
Süddeutsche Zeitung
Die Skirennen in Are werden für Emma Aicher zum Heimspiel. Im Kampf um den Gesamtweltcup hat sie gegen Konkurrentin Mikaela Shiffrin in den finalen vier Rennen noch Chancen.
Das Sonnenlicht hüllte das Jämtland in ein warmes Licht, die blau-gelben Fähnchen wurden geschwenkt. Und im Finale dieses Skirennens, da wackelten die Flaggen am wildesten. Soeben hatte eine Skirennläuferin die Ziellinie überquert, eine Frau in Zebrastreifen war als Schnellste unten angekommen, eine Frau in Diensten des Deutschen Skiverbands. Und doch wurde es noch lauter als zuvor bei den schwedischen Läuferinnen. Für Emma Aicher musste sich dieses Wochenende von Are wie ein Heimspiel angefühlt haben.
Knapp vier Stunden Autofahrt liegen zwischen Sundsvall und Are, das sei erwähnt, weil Sundsvall in der Biografie der Skikünstlerin Emma Mathilda Aicher einschlägige Spuren hinterlassen hat. An der schwedischen Ostküste wurde sie vor 22 Jahren geboren, in Sundsvall wuchs sie auf und lernte die weiten und die engen Schwünge im Schnee. Und so mag dieser Exkurs erahnen lassen, warum die Zuschauerschaft im 250 Kilometer weiter westlich gelegenen Are die Frau im deutschen Rennanzug nach vorn peitschte.
Keine Skirennläuferin beherrscht die vier alpinen Disziplinen wie die Deutsche Emma Aicher. Warum? Eine Analyse – mit Trainingsvideos aus ihrer Perspektive und Einschätzungen von Hilde Gerg.
Unter der schwedischen Sonne trug Aicher am Samstag und Sonntag die nächsten beiden Runden im Privatduell mit Mikaela Shiffrin um den Gesamtweltcup aus. Der Statistik zufolge ging der Punktsieg des Wochenendes an die US-Amerikanerin, die sich durch Rang fünf im Riesentorlauf und ihrem anschließenden – in diesem Winter insgesamt achten – Slalomsieg 145 Punkte sicherte. 15 mehr als Aicher, die als Vierte und Zweite ins Ziel kam. Wenn man so will, kann das aber auch der Deutsch-Schwedin als Teilerfolg ausgelegt werden. Nun, da sie in beiden Disziplinen das jeweils beste Ergebnis ihrer Karriere eingefahren hat.
An Aichers Reaktion war das zu erahnen, wie sie die Arme nach oben riss, ehe sie sich an die Bande hockte und ihrer Konkurrentin beim Gewinnen zusah. „Ich bin schon sehr zufrieden mit dem ganzen Tag“, sagte Aicher später. „Ich war sehr nervös, sehr aufgeregt, ich bin ziemlich glücklich, im Ziel zu sein“, bekannte Shiffrin nach ihrem 109. Sieg im Weltcup, der mit 0,94 Sekunden Vorsprung vor Aicher allerdings gar nicht nervös anmutete.













