
Sport mit Behinderung – nicht Sport trotz Behinderung
Süddeutsche Zeitung
Von Sulzschnee bis Russland: Einiges hat die Freude an den Paralympics getrübt. Ihr Hauptanliegen haben sie aber auf bravouröse Weise erfüllt.
Diese Paralympics in Cortina, Tesero und Mailand waren Spiele für die Athleten – und zugleich Spiele an den Athleten vorbei. Spiele für die Athleten waren es zum Beispiel, weil so viele Starterinnen und Starter wie lange nicht ihre Familien und Freunde dabeihatten, nicht nur die aus Europa. In Sotschi 2014 und Pyeongchang 2018 war das aus verschiedenen Gründen schwieriger, bei den Corona-Spielen 2022 in Peking war es überhaupt nicht möglich.
Weil die Italiener so souverän waren, auch mal den ein oder anderen Zaun einen Meter zur Seite zu schieben, konnte man sich tatsächlich in den Armen liegen, gemeinsam feiern, gemeinsam trauern. Und wenngleich die Tribünen manchmal nur halb gefüllt waren – die Emotionen waren echt. Wer sich im Rollstuhl, auf Krücken oder auch nur mit einer Akkreditierung um den Hals durch das Zentrum Cortinas bewegt hat, war bald umlagert von Kindern und Jugendlichen auf der Jagd nach Autogrammen und Delegationen-Pins.
Nur wenige Athleten, ein bisschen Boykott und vereinzelte Unmutsbekundungen beim Einmarsch Russlands: Die Eröffnung der Paralympics steht im Zeichen der unerfreulichen Weltlage.
Spiele an den Athleten vorbei waren es vor allem bei der Eröffnungsfeier in Verona, wo wegen der beengten Verhältnisse kaum Teilnehmerinnen und Teilnehmer eingeladen waren. Stattdessen wurden Schilder und Fahnen in die Arena getragen; da fällt der Jubel des Publikums gleich verhaltener aus. Boykotte und Teilboykotte aus Solidarität mit der Ukraine, nachdem das Internationale Paralympische Komitee (IPC) Russland und Belarus ohne Auflagen zurück in die Para-Familie geholt hatte, gaben der Veranstaltung dann den Rest.
Die Freude blieb wegen der fatalen IPC-Entscheidung bisweilen auch während der Wettkämpfe getrübt. Mit Silber oder Bronze auf dem Podium zu stehen, während für Gold-Gewinner aus Russland erstmals seit 2014 bei einem Großereignis wieder die Hymne gespielt wurde, fühlte sich für manche wie Verrat an den Athletinnen und Athleten aus der Ukraine an. Ein Zeichen setzten trotzdem nur wenige – wer wollte das von jungen Menschen erwarten, die gerade den Höhepunkt ihrer Sportkarriere erleben?













