
Gescheitert an der Aura von Real Madrid – schon wieder
Süddeutsche Zeitung
Real Madrid setzt sich mit 5:1 nach zwei Partien deutlich gegen Manchester City durch. Vinícius revanchiert sich bei den City-Fans – und Antonio Rüdiger gerät mit Pep Guardiola aneinander.
Die Geste von Vinícius Júnior in Richtung der Fans von Manchester City wirkte beinahe unvermeidlich: Nach seinem ersten von zwei Toren für Real Madrid, die letzte Restzweifel am Einzug seines Klubs ins Viertelfinale der Champions League beseitigten, verharrte er demonstrativ allein an der Eckfahne. Dann rieb er sich mit geballten Fäusten die Augen – eine spöttische Bewegung, die das Wegwischen von Tränen nachahmte. Nach dem Spiel sagte er, er habe die City-Anhänger keinesfalls respektlos behandeln wollen; vielmehr sei dies seine Art gewesen, sich ihnen gegenüber zu behaupten. Hintergrund war ein Plakat der City-Fans beim Aufeinandertreffen vor einem Jahr, auf dem die Oasis-Liedzeile „Stop Crying Your Heart Out“ zu lesen war, frei übersetzt: Hör auf herumzuheulen. Es bezog sich auf Vinícius’ Niederlage bei der Ballon-d’Or-Vergabe 2024, als er gegenüber Citys Mittelfeldspieler Rodri das Nachsehen hatte und aus Frust der Preisverleihung ferngeblieben war.
In diesem Jahr ergibt sich für Vinícius eine neue Chance auf die goldene Glitzerkugel – sofern er mit Real und anschließend mit der brasilianischen Nationalmannschaft bei der WM erfolgreich ist. Zunächst traf er in der 22. Minute per Elfmeter (nachdem er beim 3:0-Hinspielsieg an Citys Torhüter Gianluigi Donnarumma noch vom Punkt gescheitert war) und korrigierte dann kurz vor Schluss mit dem 2:1-Siegtor den zwischenzeitlichen Ausgleich von Erling Haaland. Zu diesem Zeitpunkt war das Duell de facto entschieden, da dem Elfer ein Handspiel von City-Kapitän Bernardo Silva vorausgegangen war. Dafür sah er nach VAR-Eingriff die rote Karte – Silvas erster Platzverweis. Zwar gab City auch in Unterzahl nicht auf, doch einen Vinícius hatte Trainer Pep Guardiola nicht auf dem Rasen. Citys Spieler scheiterten reihenweise an Reals Weltklassetorwart Thibaut Courtois und dessen Stellvertreter Andrij Lunin; Courtois wurde vorsichtshalber nach leichten Beschwerden zur Pause ausgewechselt. Kurz vor Abpfiff stellte sich Vinícius erneut vor die Fans von Manchester City – diesmal drehte er ihnen den Rücken zu und deutete auf seinen Namen.
Der Brasilianer war an diesem Abend nicht der einzige Real-Spieler, der den Konflikt suchte. Nach dem Spiel trafen Antonio Rüdiger und Guardiola, der allen gegnerischen Spielern fair gratulierte, beim Handshake aufeinander, es gab offenbar ein verbales Scharmützel. Guardiola schaute irritiert und formte seine Lippen zu einem ironischen Kuss, Real-Trainer Álvaro Arbeloa geleitete Rüdiger vom Ort des Geschehens weg. Schon vor dem Spiel fiel Rüdiger auf, als sich der Verteidiger erstmals zu einer umstrittenen Szene mit Getafe-Profi Diego Rico äußerte, der ihm unterstellt hatte, ihn beim Ligaspiel schwer verletzen zu wollen. „Wenn ich ihn mit Absicht gefoult hätte, wäre er nicht wieder aufgestanden“, sagte Rüdiger. An diesem Donnerstag nominiert Bundestrainer Julian Nagelsmann seinen Kader für zwei Test-Länderspiele.
Antonio Rüdiger äußert sich zu seinem Foul an Diego Rico – und weist den Vorwurf zurück, er sei aus Boshaftigkeit auf den Spieler des FC Getafe losgegangen.
Am Ende setzte sich Real zum vierten Mal im fünften K.-o.-Duell der beiden Klubs durch. Von den Spielen beim Titelgewinn 2023 abgesehen, als City im Halbfinale gegen Real dominierte, hatte die Guardiola-Elf den europäischen Erzrivalen selten im Griff. Auch diesmal entwickelten sich die Spiele zu offenen Schlagabtauschen, geprägt von Guardiolas taktischen Wagnissen: Im Hinspiel kostete die offensive Aufstellung Stabilität im Mittelfeld, im Rückspiel riskierte City früh viel – und wurde eiskalt ausgekontert.













