
Die olympische Welt droht krachend auseinanderzufliegen
n-tv
Die Olympischen Spiele in Mailand und Cortina gehen zu Ende. Sportlich haben die 16 Wettkampftage voll geliefert. Aber es gibt auch unüberhörbare Nebengeräusche. Es geht um Politik und darum, ob die Spiele ihren Geist verloren haben.
Die Olympischen Spiele in Mailand und Cortina gehen zu Ende. Sportlich haben die 16 Wettkampftage voll geliefert. Aber es gibt auch unüberhörbare Nebengeräusche. Es geht um Politik und darum, ob die Spiele ihren Geist verloren haben.
Kaum waren die Olympischen Spiele in den Ausrichterstädten Mailand und Cortina eröffnet, erzählten sie die Geschichte, die über das Ende von MiCo 26 hinaus, so wurden die Spiele in Norditalien liebevoll genannt, hängenbleiben wird. Die amerikanische Ski-König Lindsey Vonn flog erst auf ihrem Lieblingsberg brutal ab und später ins Krankenhaus. Die Geschichte der 41-Jährigen, die sich mit kaputtem Kreuzband und künstlichem Kniegelenk in den olympischen Gold-Kampf warf, ist eine der größten. Eine andere ist die Menschwerdung des "Eiskunstlauf"-Gottes Ilia Malinin, der dem Druck der Übermenschlichkeit nicht trotzen konnte, in der Kür patzte und nur Achter wurde.
Sportlich haben die 25. Olympischen Winterspiele gehalten, was die Zuschauer sich immer erhoffen, wenn die Wettkämpfe im Zeichen der Ringe ausgetragen werden. Jeden Tag Drama, jeden Tag Sensationen. Und ja, auch schwere Verletzungen gehören dazu. Das ist der Sport. Der Gang an die Grenze macht die Faszination aus. Der Gang darüber hinaus noch mehr. Auch das deutsche Team hat das aufgespannte Netz der Emotionen voll auserkrabbelt. Im Schlittenport ist die Bundesrepublik quasi nicht zu schlagen, auf Skiern gibt's abseits von Rennfahrerin Emma Aicher und Skicrosserin Daniela Maier aber reichlich Nachholbedarf. Vor allem, wenn dann noch ein Gewehr geschultert wird. Die einst große Biathlon-Nation erlebte einen historischen Absturz und verliert mit der unglücklichen Franziska Preuß nun auch noch ihre letzte Galionsfigur. Sie beendet ihre Karriere - ohne die ersehnte olympische Einzelmedaille.
Reichlich davon hat Sturla Holm Laegreid gesammelt. Fünfmal ging er an den Start, fünfmal staubte er ab: Dreimal gab's Silber, zweimal Bronze. In den Schatten gestellt wurde er nur von seinem außerirdischen Landsmann Johannes Høsflot Klæbo, der sechs Mal antrat und sechs Mal Gold gewann. Die Schlagzeilen aber bestimmte, zumindest für einige Tage, Laegreid. In Erinnerung bleibt der Norweger aber nicht wegen seiner sportlichen Erfolge, sondern wegen seines skurrilen Interviews, in dem er berichtete, seiner Ex-Freundin fremdgegangen zu sein. Die Verwunderung über diese Seltsamkeit war groß. Die generierte internationale Reichweite. So wie der Wolfshund, der plötzlich im olympischen Langlaufrennen auftauchte und einfach nur schnuppern wollte. Olympia liefert halt immer. Im Skurrilen wie im Schönen. Im Guten wie im Schlechten.
Was auch hängenbleibt oder hängenbleiben sollte: Der krampfhafte Versuch des IOC, die politische Dimension aus den Spielen herauszuhalten. Die neue Chefin Kirsty Coventry vergoss Tränen, als sie der Welt erklärte, dass der ukrainische Skeletoni Wladyslaw Heraskewytsch nicht starten dürfe. Weil er mit einem Helm fahren wollte, der an Sportler aus seiner Heimat erinnerte, die von russischen Soldaten im Krieg getötet worden waren. Im unbeobachteten Training durfte er, im Rampenlicht des Wettkampfs, der Livebilder, war's ihm dann verboten.













