
"Monumentaler Pogacar" triumphiert nach denkwürdigem Radsport-Drama
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Denkwürdiger Klassiker Mailand-Sanremo: Unfassbarer Tadej Pogacar kann jetzt sogar spektakuläre Zentimeter-Siege
Radsport-Gigant Tadej Pogacar bricht endlich seinen Sieg-Fluch beim Klassiker bei Mailand-Sanremo und lässt sich selbst von einem Sturz nicht aufhalten. Im Frühjahr bleibt dem Weltmeister nur noch ein großes Ziel.
Tadej Pogacar klatschte auf dem Podest von Mailand-Sanremo euphorisch mit seinem Formel-1-Kumpel Carlos Sainz ab und ließ die Champagnerkorken knallen, vor dem heimischen TV saß der große Eddy Merckx und spendete anerkennend Applaus. Als "großartig" und "fantastisch" würdigte der beste Radprofi der Geschichte die Leistung des besten Fahrers der Gegenwart bei der denkwürdigen 117. Ausgabe des italienischen Klassikers. "Er hat mich sprachlos gemacht", sagte Merckx der italienischen Zeitung "Gazzetta dello Sport". Ein "monumentaler Pogacar»", schwärmte die Zeitung selbst noch. Und für die französische "L'Equipe" ist der slowenische Ausnahmefahrer nach einem Rennen für die Geschichtsbücher "der Größte".
Auch Pogacar rang nach Worten - und fand sie in Superlativen. Sein Traum vom Triumph bei der "Primavera" war endlich wahr geworden, nicht einmal ein Sturzdrama im Finale hielt ihn auf. "Das ist einer der größten Siege meiner Karriere", schwärmte der viermalige Tour-Champion: "Es ist eine große Erleichterung, es nach so vielen Jahren geschafft zu haben." Kein Rennen hatte Pogacar gedanklich so verfolgt. Auf dem längsten Klassiker schien für den erfolgsverwöhnten Weltmeister lange ein Fluch zu liegen. "Es ist eines der unberechenbarsten Rennen der Welt. Es kostet viel Kraft, auch mental." Im sechsten Anlauf brach der Bann.
Pogacar ist das Siegen gewöhnt. Der Erfolg auf der Via Roma war der 110. seiner Karriere. Die Dominanz des Slowenen ist so groß, dass vor großen Rennen mitunter nur darüber spekuliert wird, wie lang sein Solo auf dem Weg zum Sieg dieses Mal ausfallen wird. Am Samstag betrug Pogacars Vorsprung auf den zweitplatzierten britischen Mountainbike-Olympiasieger Thomas Pidcock lediglich vier Zentimeter. Pogacar ballte nach dem dramatischen Zielsprint nach 298 Kilometer die Faust, er schrie die pure Freude heraus. Eine der letzten Lücken in seiner beeindruckenden Vita war geschlossen. Besonders war der Triumph aber nicht nur wegen der Statistik. Pogacar bewies Willen und Widerstandsfähigkeit.
Rund 32 Kilometer vor dem Ziel war er auf der Anfahrt zur ersten Schlüsselstelle Cipressa gestürzt. In einer Linkskurve rutschte der 27-Jährige weg. "Für einen Moment dachte ich, es ist vorbei", sagte Pogacar. Das war es nicht. Mit Schürfwunden und Rissen in der Hose und dem Regenbogentrikot stieg Pogacar zurück aufs Rad. Er kämpfte sich mit Hilfe seiner Teamkollegen zurück an die Spitze und distanzierte am Poggio Titelverteidiger Mathieu van der Poel. "Er hat wie ein echter Champion reagiert", sagte Merckx.













