
„Tirol hat den faktischen Willen, seine Dörfer zu schützen“
Süddeutsche Zeitung
An den beiden Autobahnen durchs Inntal greifen frustrierte Anwohner neuerdings selbst durch, weil Durchfahrverbote aus ihrer Sicht kaum Wirkung zeigen. In Österreich ist das anders.
Lärm, Stau, Abgase – Durchfahrverbote für Orte entlang der vielbefahrenen Autobahnen A 8 und A 93 sollen die Anwohner entlasten. Doch bei Einheimischen herrscht weiter Ärger: Sie sehen kaum Verbesserungen, kritisieren mangelnde Kontrollen – und schritten kürzlich sogar selbst zur Tat. Für lokale Politiker steht dahinter ein grundsätzliches Problem – und das ist der überbordende Verkehr in Richtung Süden, unter anderem durch das Inntal. Dort stauen sich Lastwagen-Kolonnen ebenso wie der Urlaubsverkehr.
Die Unzufriedenheit in den Dörfern diesseits und jenseits der deutsch-österreichischen Grenze ist groß. Tirol verbietet schon seit einigen Jahren an verkehrsreichen Tagen das Abfahren von der Autobahn. Schleichwege durch die Dörfer sind damit tabu. An bestimmten Ausfahrten werden Autofahrer angehalten, nach ihrem Weg gefragt – und zurück auf die Autobahn geschickt, wenn sie nicht ein Ziel vor Ort haben.
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Ähnliche Regelungen gibt es seit dem vergangenen Jahr auch in Bayern. Doch sie funktionieren aus Anwohner-Sicht nicht so wie im benachbarten Tirol. „In Tirol haben sie ein System, das funktioniert“, sagt auch der Bürgermeister von Kiefersfelden, Hajo Gruber (Unabhängige Wählergemeinschaft), über das Durchfahrverbot im Nachbarland. „An den Hauptreisewochenenden ordnen die Tiroler das an – und dann wird es sanktioniert“, sagt Gruber.
In den oberbayerischen Landkreisen Rosenheim, Berchtesgadener Land und Miesbach gelten die Durchfahrverbote anders als in Tirol derzeit nicht an ausgewählten erwartbar verkehrsreichen Tagen, sondern von Freitag bis Sonntag und an Feiertagen. Aber: nur bei Stau. Erst dann kann die Polizei einschreiten.













