
Streit um Dieter Reiters Aufsichtsratsposten beim FC Bayern eskaliert
Süddeutsche Zeitung
Wenige Tage vor der Wahl werfen Oppositionspolitiker dem Münchner Oberbürgermeister vor, im Stadtrat gelogen zu haben. Der weist diesen Vorwurf scharf zurück – muss aber später einen Teil seiner Aussagen revidieren.
Der Konflikt um den Aufsichtsratsposten des Münchner Oberbürgermeisters Dieter Reiter (SPD) beim FC Bayern hat sich am Mittwoch im Stadtrat zugespitzt. Nach der Debatte im Rathaus warf ihm ÖDP-Fraktionschef Tobias Ruff vor: „Er hat heute alle belogen.“ Ebenfalls in einer Pressemitteilung kritisierte Linken-Fraktionschef Stefan Jagel: „Reiter verweigert weitere Aufklärung seines Aufsichtsratsmandats.“ Der OB selbst hatte zunächst alle Vorhaltungen zurückgewiesen als „Sammelsurium von Versuchen, um einen Skandal herzustellen“.
Linke und ÖDP hatten für die Vollversammlung des Stadtrats jeweils Dringlichkeitsanträge gestellt. Sie wollten Auskunft haben zu Art, Umfang, Vergütung und möglichen Interessenkonflikten von Reiters Engagement beim deutschen Fußball-Rekordmeister. Eine Mehrheit aus SPD, CSU/Freien Wählern sowie FDP/Bayernpartei lehnte eine Dringlichkeit jedoch ab; nur Grüne/Rosa Liste und Volt sowie die AfD unterstützten die beiden Oppositionsparteien.
Reiter kündigte an, ausführlich Stellung zu nehmen zu den gestellten Fragen, allerdings erst in der nächsten oder übernächsten Vollversammlung des Stadtrats, das wäre am 25. März oder am 29. April. Derzeit seien noch Informationen vom FC Bayern München einzuholen, „ich kann gar nicht sagen, ob und in welcher Höhe es eine Aufsichtsrats-Entschädigung gibt“, so Reiter.
Der FC Bayern hatte am 7. Februar mitgeteilt, dass Reiter den Vorsitz des Verwaltungsbeirats vom früheren bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber übernommen habe. Auf SZ-Anfrage teilte der FC Bayern nun mit: „Der Vorsitzende des Verwaltungsbeirats ist ein geborenes Mitglied des Aufsichtsrates, das von der Hauptversammlung der FC Bayern München AG bestätigt wird. Dieter Reiter ist von der Hauptversammlung der FC Bayern München AG als Mitglied des Aufsichtsrates bestätigt worden und hat an einer Aufsichtsratssitzung der FC Bayern München AG am 23. Februar 2026 teilgenommen.“
Die Anwesenheit bei dieser Sitzung hatte Reiter zuvor bereits eingeräumt, aber nur „gegebenenfalls als Gast“, wie er es formulierte. Im Handelsregister sei er jedenfalls noch nicht als Aufsichtsrat eingetragen. Dem hielt Stefan Jagel, der Fraktionschef der Linken im Stadtrat, einen Auszug aus eben jenem Handelsregister entgegen. Auf dem Papier war Reiter mit dem Datum vom 23. Februar als eines von neun Aufsichtsratsmitgliedern aufgelistet; unterschrieben war das Dokument von den AG-Vorständen Jan-Christian Dreesen, Max Eberl und Rouven Kasper. Als „Bekanntmachungsdatum“ ist auf der Homepage des Handelsregisters der 4. März angegeben, also dieser Mittwoch. Obwohl das Handelsregister beim Amtsgericht geführt wird, insistierte Reiter in der Vollversammlung, dass dort keine Liste vorliege.













