
Schmerzhafte Einsichten
Süddeutsche Zeitung
Immerhin bei der Aufarbeitung der Viertelfinalniederlage zeigen die deutschen Eishockeyspieler Geschlossenheit: Aber die Erkenntnis, dass das Gefälle zwischen NHL- und DEL-Profis zu groß war, kommt zu spät.
Nichts wie weg. Am Morgen nach dem Aus im Viertelfinale bei den Olympischen Winterspielen verteilten sich die deutschen Eishockeyspieler fächerartig über den Globus. Für die Profis aus der nordamerikanischen NHL ging es vom Flughafen Malpensa aus über den Atlantik, nach Edmonton, Ottawa, Utah, Minnesota, die ersten Zubringer verließen am Donnerstag um sechs Uhr morgens das olympische Dorf. Die anderen machten sich nach und nach auf den Heimweg nach Berlin, Mannheim, München, Köln. Bis zum frühen Nachmittag war die Unterkunft besenrein.
Niemand sah einen Grund, sich länger in Mailand, am Ort der 2:6-Niederlage gegen die Slowakei, aufzuhalten. Spieler und Stab hatten zuvor von einer historischen Chance gesprochen, mit dem womöglich besten Kader der deutschen Eishockey-Geschichte wie 2018 um die Medaillen zu spielen. Ob es demzufolge eine historische Niederlage war? Nico Sturm, einer von acht NHL-Profis im deutschen Team, so vielen wie nie zuvor, sagte: „Könnten wir bitte mit den Superlativen mal aufhören? Es war ein Spiel, das wir hätten gewinnen können, gegen einen Gegner, den wir schon geschlagen haben. Es war eine große verpasste Chance.“
Die Analyse, warum sie diese Chance verpasst hatten, fiel bedeutend schwerer.
„Das waren einfach zu viele Fehler heute“, sagte Leon Draisaitl direkt nach dem Spiel: „Ich weiß nicht, wie viele Konter wir zugelassen haben. Das tut weh.“ Der Kapitän, Fixpunkt der Mannschaft, Fahnenträger des deutschen Olympiateams bei der Eröffnungsfeier, NHL-Idol bei den Edmonton Oilers, war die Galionsfigur der Mannschaft und Symbol der deutschen Hoffnungen auf ein Turnier, wie es die Deutschen bislang nicht gesehen hatten. „Wir wollen der Welt mal zeigen, wie gut wir wirklich Eishockey spielen können“, hatte Draisaitl angekündigt. Als er nach nur 23 Sekunden im Auftaktspiel gegen Dänemark zum 1:0 traf, grinste er, die Experten nickten sich zu, und die Fans zu Hause an den Fernsehern rieben sich die Hände: Jetzt geht’s los.
Zu früh gefreut. „Wir sind verdient ausgeschieden“, sagte Draisaitl: „Wir hätten schon gerne besser gespielt, aber wir haben nie so richtig zu unserem Spiel gefunden. Manchmal finden sich Mannschaften schneller. Manchmal dauert es länger. Bei uns hat es etwas zu lange gedauert.“













