
Der Kaderarchitekt, der eine kleine Gemeinde sehr groß machte
Süddeutsche Zeitung
Ole Book gilt als Kopf hinter dem Erfolg der SV Elversberg, unter anderem die Entdeckung von Nick Woltemade machte ihn bekannt. Nun muss er beim BVB in einer anderen Fußballdimension bestehen.
Ein einziges Mal in der langen deutschen Fußballgeschichte begegneten sich die sehr kleine SV Elversberg und die sehr viel größere Borussia aus Dortmund. In der zweiten Runde des DFB-Pokals, am 10. Oktober 1981, reiste der BVB ins Stadion an der Kaiserlinde, Manni Burgsmüller erzielte das 1:0 beim 4:1-Sieg. Ansonsten finden sich 14 weitere Spiele der SVE gegen den BVB in der Statistik. Allerdings gegen die zweite Mannschaft. Dortmund II gewann acht Mal.
Elversberg und Dortmund, das sind zwei verschiedene Fußballwelten, was man nicht nur, aber besonders schön an dem Fakt illustrieren kann, dass die Gemeinde Spiesen-Elversberg 13 000 Einwohner und das Dortmunder Stadion 81 000 Plätze hat. Trotzdem holt sich der BVB nun Hilfe aus dem Saarland. Nils-Ole Book, gerufen bei seinem zweiten Vornamen, wechselt einen Tag nach dem Abschied von Sebastian Kehl zum Champions-League-Anwärter und wird dort Sportdirektor.
Warum? Nun, Book hat sich seinen exzellenten Ruf in der Branche über Jahre erarbeitet. Seit er 2017 als Scout in Elversberg anfing, muss sich der deutsche Fußballfan mit diesem Ort in der tiefsten Provinz ohne eigenen Bahnhof befassen. Aus der Regionalliga stieg Elversberg in die dritte Liga auf, dann in die zweite Bundesliga, vergangenes Jahr fast in die Bundesliga, erst Heidenheim stoppte den Aufstieg in der Relegation. Book holte nicht nur in seiner ersten Amtshandlung als Sportdirektor 2018 den Trainer Horst Steffen, er schnappte sich Spieler wie Nick Woltemade oder Fisnik Asllani, diese Saison veräußerte er Younes Ebnoutalib im Winter für kolportierte acht Millionen Euro nach Frankfurt. Book hatte Ebnoutalib eineinhalb Jahre zuvor in Gießen in der Regionalliga gefunden und für 50 000 Euro verpflichtet.
Aus wenig viel zu machen, war schon immer eine nachgefragte Eigenschaft im Fußball, gerade aber besonders. Elversberg wird zwar vom Pharmakonzern Ursapharm unterstützt, arbeitete aber 2024 mit den viertniedrigsten Personalausgaben der zweiten Liga. Book gab in seinen acht Jahren insgesamt 4,5 Millionen Euro für Transfers aus, davon allein fast zwei Millionen in diesem Winter nach dem Verkauf von Ebnoutalib.
Zusätzlich zu dieser Transferbilanz ist es Books Talent des stetigen Wiederaufbaus, das ihn hervorhebt. Er arbeitete viel mit Leihspielern, war immer wieder gezwungen, den Kader neu zusammenzustellen. Im Sommer verließen zusammen mit Trainer Steffen (Bremen) die, je nach Geschmack, fünf bis sechs besten Spieler auf einmal den Klub, im Winter dann mit Ebnoutalib auch noch der beste Torjäger. Zu einem Leistungseinbruch ist es nicht gekommen, Elversberg ist sieben Spiele vor Saisonende schon wieder Tabellenzweiter. Im Saarland sind sich die Beobachter einig, dass trotz des ebenfalls geschätzten Horst Steffen Ole Book der hauptverantwortliche Kopf hinter dem Elversberger Erfolg war.













