
Ein Quereinsteiger ist ein Wagnis? Jeder Trainerwechsel ist ein Wagnis!
Süddeutsche Zeitung
Im Abstiegskampf setzt der 1. FC Köln auf ein Experiment, das zuletzt in Wolfsburg schiefging, aber beim HSV funktioniert hat: Ein junger Novize als Chef ist so aussichtsreich wie jede andere Lösung – und notfalls kommt halt doch Feuerwehrmann Funkel.
Diego Simeone wird von seinen Trainerkollegen um zwei Dinge beneidet: um die Beständigkeit des Engagements, das er seit 2011 mit Atlético Madrid unterhält, und um seine Uniform, die er seit fast 14 Jahren anlegt, wenn er im Stadion sein Team betreut. Simeone trägt immer, wirklich immer einen schwarzen Anzug, schwarze Schuhe, ein schwarzes Hemd und eine schwarze Krawatte. Dafür wurde er zwar schon heftig kritisiert, aber nicht von den Atlético-Bossen, sondern von Modeästheten, die eine schwarze Krawatte zum schwarzen Hemd ablehnen.
So nebensächlich, wie es scheint, ist die Frage der Dienstkleidung bei Profifußballtrainern nicht. Simeone, 55, braucht sich am Spieltag nicht um die Kleiderwahl Gedanken zu machen. Er muss niemanden beeindrucken und kann sich aufs Wesentliche konzentrieren. Lukas Kwasniok, 44, hingegen hat als Trainer des 1. FC Köln einige Überlegungen dazu angestellt, wie er ins Stadion gehen möchte. Anfangs der Saison hat er ein Trikot getragen, das als Zeichen der Identifikation im eigenen Publikum erst mal gut ankam – bis die Meinungen dann doch auseinandergingen. Als er im Dezember den Weihnachtspullover aus dem Fanshop als Dienstkleidung wählte, war das Echo eindeutig: Bitte nicht, lautete mehrheitlich das Votum.
Ole Book gilt als Kopf hinter dem Erfolg der SV Elversberg, unter anderem die Entdeckung von Nick Woltemade machte ihn bekannt. Nun muss er beim BVB in einer anderen Fußballdimension bestehen.
Selbstverständlich ist Kwasniok jetzt nicht wegen des irritierenden Pullovers entlassen worden. Ein wenig diskreditiert hat ihn die Wahl aber schon, denn vieles, was Kwasniok als Cheftrainer des 1. FC Köln unternommen hat, richtete sich scheinbar zielstrebig auf seine äußere Wirkung. Offenherzigkeit ist Teil seines Wesens, aber zunehmend oft verlor er zwischen charmanten Vorträgen und weitschweifigen, manchmal wehleidigen (Ich-)Erzählungen die Linie. Das führte auch im Spielerkader zu Diskussionen.
Als Fußball-Lehrer wird Kwasniok in der Szene geschätzt und geachtet. Er hat eine gute Auffassungsgabe und Ideen für ein eigenes Spiel, hin und wieder zu viele Ideen. Auch da fehlt ihm öfter die freiwillige Selbstkontrolle. Dass der Klub die Verantwortung für den Abstiegskampf im Saisonfinale jetzt in die Hände des Assistenten und Mitgestalters René Wagner legt, zeugt von dem ständigen Dilemma, das Kwasniok auf seine Art im Klub erzeugte.













