
Kwasniok muss gehen, Assistent Wagner übernimmt
Süddeutsche Zeitung
Trotz des spektakulär erkämpften Derby-Punkts gegen Mönchengladbach kostet die Talfahrt des 1. FC Köln Trainer Kwasniok den Job. Das Problem: Die Leistungen stimmen, die Ergebnisse nicht.
Sicher war am Samstagabend beim 1. FC Köln bloß eines: Sportchef Thomas Kessler würde sich irgendwann zu einer dieser Nachtruhen begeben, die Bundesliga-Manager seit jeher beanspruchen, um Klarheit in der bedrohlich schwelenden, aber diffusen Trainerfrage zu gewinnen. Er müsse „erst mal eine Nacht drüber schlafen“, sagte Kessler nach dem 3:3 im Derby gegen Borussia Mönchengladbach, die traditionelle Sprachregelung seines Metiers einhaltend. Allerdings wusste er bereits, dass ihm im Traum kein Patentrezept für den weiteren Umgang mit Chefcoach Lukas Kwasniok erscheinen würde: „Ergebnisoffen“ werde er in den nächsten Tag starten.
Aber auch das war eher eine Sprachregelung. Die Zeichen standen schon am Samstag auf Trennung, am Sonntagabend um 19 Uhr gab der Klub die Beurlaubung des im vorigen Sommer engagierten Cheftrainers bekannt. Den Nachfolger fanden die Verantwortlichen in Kwasnioks Mitarbeiterstab. Assistenztrainer René Wagner, 37, hatte bereits zweieinhalb Jahre an der Seite von Steffen Baumgart in Köln gearbeitet und war dann mit dem Chef zum Hamburger SV und zu Union Berlin weitergezogen. Im vorigen Sommer hatte ihn der 1. FC Köln zurückgeholt und Kwasniok zur Seite gestellt. Er gilt als Taktik-Spezialist.
Doch bevor die harten Fakten ans Licht kamen, musste der formelle Dienstweg gewahrt bleiben. Am Sonntag fuhr Kessler, 40, gegen neun am Geißbockheim vor, um kurz vor elf traf auch Kwasniok ein, die personifizierte „Trainerfrage“. Freizeitlich im T-Shirt, Rucksack auf dem Rücken, Telefon am Ohr, marschierte der 44-Jährige hinein, Augenzeugen hielten das Ereignis im Video fest. Zwanzig Minuten später zog er demonstrativ vergnügt wieder ab. Autogramme schreibend, kündigte Kwasniok an, er werde „jetzt die Sonne genießen“. Drinnen wurde derweil getagt und beraten.
Nach dem umjubelten Comeback gegen den HSV wirkt Sebastian Kehl noch zuversichtlich, doch keine 24 Stunden später ist er seinen Job als BVB-Sportdirektor los – und wechselt womöglich ausgerechnet nach Hamburg.
Später kam in der Vereinszentrale der Gemeinsame Ausschuss zusammen, der die verschiedenen Gremien des Klubs verbindet, Vorstand, Aufsichtsrat, Mitgliedsrat. Die Tendenz war klar: Alles andere als die Trennung von Lukas Kwasniok wäre keine Überraschung, sondern eine Sensation.













