
Schmadtkes Aus nach 81 Tagen
Süddeutsche Zeitung
Auch wenn er nicht immer im Frieden ging: Jeden seiner bisherigen Klubs hat Manager Jörg Schmadtke zu Erfolgen geführt. Hannover 96 hat er nun erstmals unverrichteter Dinge verlassen – die Differenzen waren von Anfang an zu groß.
Er war gefühlt immer da, wie das bei Vorzeigefiguren der Bundesliga nun mal so ist. Dann war er weg, wieder da, weg, wieder da – und am Sonntag nun ist der Manager Jörg Schmadtke, 62, beim Zweitligisten Hannover 96 ausgeschieden. Mit der branchentypischen Formulierung einer „einvernehmlichen Trennung“ war das dazugehörige Klubkommuniqué überschrieben, eine Sprachregelung, die bei Schmadtke ganz branchenuntypisch des Öfteren der Wahrheit entspricht: Wo Schmadtke ist, da ist in aller Regel der Erfolg. Wo Schmadtke war, haben sich danach aber oftmals nicht mehr alle gern. Im Fall von Hannover 96 waren das: Trainer Christian Titz, Sportdirektor Ralf Becker, die Gesellschafter um den ewigen 96-Patriarchen Martin Kind, eigentlich der weltweit größte Fan des Managers Schmadtke. Im Grunde also alle, die in Hannover mitreden können, mitreden wollen. Nur soll die Gesprächsbereitschaft zuletzt, nun ja, nicht mehr sonderlich ausgeprägt gewesen sein.
Schmadtke hat an zahlreichen Ligastandorten gewirkt, an kleinen, großen, aufgeregten, unaufgeregten. Die Branche kennt ihn, die Branche mag ihn größtenteils auch, und in Hannover schienen die Vorzeichen deshalb geradezu vortrefflich zu passen: Man kennt sich ja. In seiner überaus produktiven ersten Amtszeit bei 96, von 2011 bis 2013 war das, hat Schmadtke diesen mitunter graumäusigen Traditionsverein, wie überhaupt ausnahmslos alle (!) seine Klubs, in den Europapokal gemanagt. Der einnehmende Martin Kind und der knorrige Schmadtke konnten auch nach dessen Weggang noch gut miteinander, und der Hörgeräteunternehmer war es dann auch, der sich im Winter federführend für eine Reunion einsetzte. Schmadtke folgte an Heiligabend (!) auf den Sport-Geschäftsführer Marcus Mann, der auf eigenen Wunsch hin nach Salzburg weiterzog.
Der Markt hätte, wenigstens in der Theorie, keinen besseren Nachfolger bereitstellen können: Schmadtke kannte das komplizierte Hannoveraner Umfeld, kannte den nicht ganz unkomplizierten Kind, er kennt ohnehin alles, was die Branche so an Fallstricken bereitstellen kann, zumal er sie mitunter selbst zu legen vermag. Was sollte da schon schiefge … nun ja, und da ist man auch bereits bei der einvernehmlichen Trennung angelangt.
Laut aktuellen Medienberichten sollen sich (wahrheitsgemäße) Medienberichte aus der Vergangenheit in Hannover reproduziert haben. Titz war nicht der Trainer, den Schmadtke ausgesucht hatte – und aufgrund seiner allzu riskanten Offensivlehre wäre er auch nicht der Coach, den sich Schmadtke aussuchen würde. Ähnliches gilt für den Sportdirektor Becker. Das Binnenverhältnis mit den beiden Mitarbeitern soll sich dem Vernehmen nach knapp unter dem Gefrierpunkt eingependelt haben. Hinzu kam, dass Schmadtke vom Gesellschafter Kind eine kräftige Budgeterhöhung verlangt haben soll, eine Forderung, die letztlich ausgeschlagen wurde. Nach nur 81 Tagen Dienstzeit kam es nun zum Bruch. Hannover 96, aktuell Platz fünf in der zweiten Liga, muss sich der Mission Aufstieg jetzt ohne Sport-Geschäftsführer widmen.
Die Fußballgeschichte ist reich an allerlei Drehungen und Wendungen, auch solchen, die als unvorstellbar galten. Und nun also geht Schmadtke, ohne den Klub zuvor auf der internationalen Bühne zu platzieren. Was das Sportliche angeht, hat der Manager eine der blütenweißesten Bilanzen, die man in dieser volatilen Branche nur haben kann. Schmadtke war es egal, ob er beim damaligen Zweitligisten Alemannia Aachen, bei Hannover 96, dem 1. FC Köln, dem VfL Wolfsburg oder dem FC Liverpool wirkte – der jeweilige Standort wurde auf geradezu spektakuläre Art und Weise optimiert. Für die zwischenmenschlichen Beziehungen dagegen galt das nur bedingt. Aus der zwischenzeitlichen Freundschaft mit dem damaligen Kölner Erfolgstrainer Peter Stöger wurde eine doch arg neutrale Beziehung. Auf der Wolfsburger Geschäftsstelle haben Schmadtke und Erfolgscoach Oliver Glasner auch nach der Qualifikation zur Champions League kein Wort mehr miteinander gewechselt.













