
Psychotherapeuten stehen kurz vor "Schlag ins Gesicht"
n-tv
Auf einen freien Platz in einer psychotherapeutischen Praxis warten Patientinnen und Patienten teils lange Zeit. Das Problem könnte sich jetzt verschärfen. Grund dafür ist eine Anpassung der Honorare. Für Ärztinnen und Ärzte verschlechtern sich die Arbeitsbedingungen.
Auf einen freien Platz in einer psychotherapeutischen Praxis warten Patientinnen und Patienten teils lange Zeit. Das Problem könnte sich jetzt verschärfen. Grund dafür ist eine Anpassung der Honorare. Für Ärztinnen und Ärzte verschlechtern sich die Arbeitsbedingungen.
Vor dem Bundesgesundheitsministerium in Berlin ist es am Nachmittag laut. Mit vielen Protestschildern, einigen Bannern sowie Dutzenden Rasseln und Klatschpappen machen rund 400 Psychotherapeuten darauf aufmerksam, dass sie ab 1. April weniger verdienen sollen. Sie fürchten um die Versorgung ihrer Patienten. Das Ministerium von CDU-Politikerin Nina Warken schaut nur zu. "Es ist sehr, sehr demotivierend. Die Wertschätzung ist sehr schlecht", fasst der psychologische Psychotherapeut Christian Keil am Rande der Veranstaltung im Gespräch mit ntv.de zusammen.
"Wer jetzt kürzt, zahlt später drauf. Psychische Störungen gehören zu den häufigsten Diagnosen bei Krankschreibungen und Frühberentung", sagt der Diplom-Psychologe. "Wenn dieser Beschluss nicht durch das Bundesgesundheitsministerium beanstandet und damit gestoppt wird, wird der Beruf unattraktiv, aber es müssen neue Leute nachkommen."
Ab kommenden Mittwoch sollen Psychotherapeuten 4,5 Prozent weniger verdienen als bisher. Das hat der Erweiterte Bewertungsausschuss nur drei Wochen vor dem Inkrafttreten beschlossen. Auch die Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie (DGPT) findet das "nicht hinnehmbar - und auch nicht nachvollziehbar".
"Die Leidtragenden sind psychisch erkrankte Menschen", sagt ebenfalls Euphrosyne Gouzoulis-Mayfrank von der Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Die Verbandspräsidentin nennt die Honorarkürzung "kurzsichtig". Psychische Gesundheit dürfe "nicht zu einem Sparposten im Gesundheitssystem" werden. "Vollkommen grundlos wird ein wichtiger Bestandteil der ambulanten Versorgung erheblich geschwächt", schließt sich Andreas Gassen, Chef der Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), an. Er nennt dies eine "fatale Entscheidung".













