
Plötzlich wird die Überraschung im Stadtrat möglich
Süddeutsche Zeitung
Kaum einer im Rathaus hat es noch für möglich gehalten, doch nach Auszählung fast aller Wahllokale hat die bisherige Koalition aus Grünen, SPD, Volt und Rosa Liste eine Mehrheit.
Die CSU hat all ihre Wahlziele verfehlt, die Grünen stehen endgültig als Sieger der Kommunalwahl am Sonntag da. Mit der Auszählung fast aller noch offenen Stimmen bis zum Montagnachmittag hat sich das Ergebnis der Stadtratswahl in München noch einmal spürbar verändert. Alles sieht danach aus, dass die Grünen zum zweiten Mal in Folge stärkste Kraft im Rathaus sein werden.
Die Umweltpartei kommt bei 1300 von 1376 ausgezählten Stimmgebieten auf 26,5 Prozent der Stimmen. Damit tauscht sie mit der CSU, die nun 1,6 Prozentpunkte dahinter liegt, die Plätze. Auch bei den erreichten Stadtratsmandaten gibt es eine klare Reihenfolge. Die Grünen verfügen in der neuen Amtszeit über 21 Sitze, die CSU folgt auf Rang zwei mit 19. Dritte Kraft bleibt mit 19,1 Prozent und 15 Mandaten die SPD.
Bei den kleinen Parteien gab es noch eine Änderung mit großer Symbolkraft in München. Die AfD wird von den Linken mit 6,5 Prozent verdrängt und erreicht mit 5,8 Prozent nur noch Platz fünf. Beide werden mit fünf Stadträtinnen und Stadträten ins Rathaus einziehen und damit aus eigener Kraft eine Fraktion bilden können. Das gilt auch für Volt mit 4,7 Prozent und nun vier Sitzen.
Mit dem nahen vorläufigen Endergebnis drängen in den Schaltzentralen der Parteien auch die grundsätzlichen Zukunftsfragen nach vorn. Es schlägt die Zeit der Strategen mit eingebautem Mehrheitsrechner: Wer könnte mit welcher Mehrheit künftig die Stadt regieren? Wer bietet sich als Partner an, weil er die Mandate mitbringt, die für eine künftige Stadtregierung nötig sind? Oder wer verliert diesen Sitz noch?
Nicht zu vernachlässigen ist auch der politische Beziehungscheck: Wer kann mit wem? Und mit wem auf keinen Fall? Eines ist jedoch schon klar: Der Farben-Fächer der Parteien, die in den Stadtrat einziehen, ist so bunt und kleinteilig, dass äußerst knifflige Berechnungen und Verhandlungen anstehen werden. Außer es tritt der Fall ein, mit dem eigentlich schon niemand mehr gerechnet hat.













