
Iran-Krieg treibt die Inflation nach oben
Süddeutsche Zeitung
Weltweit geht das Wirtschaftswachstum zurück, sagt die OECD. Für Deutschland erwartet die Organisation zudem einen Anstieg der Inflation. Und es könnte noch schlimmer kommen.
Die Beschäftigten der OECD, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, hatten richtig Stress in den vergangenen Tagen. Normalerweise wird die Wirtschaftsprognose wochenlang vorbereitet. Doch dann kam der Iran-Krieg, die Öl- und Gasmärkte reagierten heftig. Damit mussten neue Berechnungen angestellt werden, denn es war klar: Der Krieg im Nahen Osten hat wirtschaftliche Auswirkungen nicht nur auf die Länder in der Region, sondern „wird die Widerstandsfähigkeit der Weltwirtschaft auf die Probe stellen“, so heißt es in dem am Donnerstagvormittag in Paris präsentierten Wirtschaftsausblick.
Der Bericht befasst sich insbesondere mit der Lage der 38 Mitgliedsstaaten. „Der Anstieg der Energiepreise und die Unberechenbarkeit des sich entwickelnden Konflikts im Nahen Osten werden die Kosten erhöhen und die Nachfrage senken.“ So steht alle Vorhersagen unter Vorbehalt, das wird mehrfach betont. Und es könnte noch schlimmer kommen. „Diese Prognosen basieren auf der Annahme, dass sich die derzeitigen Störungen auf dem Energiemarkt im Laufe der Zeit abschwächen und die Preise für Öl, Gas und Düngemittel ab Mitte 2026 allmählich sinken.“
Das globale BIP-Wachstum wird sich der OECD-Prognose zufolge 2026 auf 2,9 Prozent verlangsamen, bevor es 2027 wieder auf 3,0 Prozent ansteigt. Für die Vereinigten Staaten sagt die Organisationen im kommenden Jahr einen Rückgang voraus – von zwei Prozent in diesem Jahr auf 1,7 Prozent im kommenden Jahr. Die Begründung: Starke KI-bezogene Investitionen werden allmählich durch ein verlangsamtes Wachstum der Realeinkommen und der Konsumausgaben ausgeglichen.
Auch für die Eurozone reduziert die OECD die Erwartungen: Das BIP-Wachstum dürfte sich 2026 aufgrund höherer Energiepreise, die die Wirtschaftstätigkeit belasten, auf 0,8 Prozent verlangsamen, bevor es 2027 dank gestiegener Verteidigungsausgaben wieder auf 1,2 Prozent ansteigt. Im Dezember war die Organisation von einem um 0,4 Prozent höheren Wachstum für dieses Jahr ausgegangen.
Für Deutschland enthält der Bericht gute und schlechte Nachrichten: So wird eine Reduktion des Wachstums aufgrund der aktuellen Entwicklungen auf 0,8 Prozent prognostiziert. Aber im Vergleich zur Eurozone ist der Rückgang etwas geringer. Die Aussichten für 2027 bleiben mit 1,5 Prozent für das kommende Jahr unverändert – vor allem den Investitionen im Verteidigungsbereich geschuldet.













