
Hurra, es ist jemand von außerhalb!
Süddeutsche Zeitung
BVB-Fan, BVB-Ausstiegsklausel – aber keine Vereinslegende: Bei der Vorstellung des Sportdirektors Ole Book macht Borussia Dortmund klar, warum der Klub ihn geholt hat.
Von den Mauern im Dortmunder Stadion prangen Bilder vieler Vereinslegenden. Borussia Dortmunds Sportgeschäftsführer Lars Ricken ist dort genauso zu sehen wie der frühere Sportdirektor Michael Zorc und der Stadionsprecher Norbert Dickel. Sie alle haben beim BVB auch eine große Vergangenheit als Spieler.
Von Ole Book hängt in diesem Stadion kein Bild. Er hat nie für den BVB gespielt. Er wurde vor 40 Jahren im 50 Kilometer entfernten Beckum geboren und zählt als Westfale allenfalls zur erweiterten schwarz-gelben Verwandtschaft. Book aber ist schon sein ganzes Leben BVB-Fan. Er hatte sein Kinderzimmer mit Postern tapeziert und war Anfang der Neunziger mit seinem Vater erstmals im Stadion. Seit Mittwoch nun ist Book als Nachfolger von Sebastian Kehl der neue Sportdirektor von Borussia Dortmund. Der vormalige Sportvorstand des Zweitligisten SV Elversberg wurde auf einer Pressekonferenz im Stadion von den Geschäftsführern Carsten Cramer (Sprecher) und Lars Ricken (Sport) vorgestellt.
Als Ricken den BVB 1997 zum Champions-League-Triumph schoss, war Book elf Jahre alt. Kurz nachdem der BVB 2021 mit dem DFB-Pokal seinen bislang letzten Titel gewonnen hatte, stand Book als Sportchef mit dem damaligen Viertligisten SV Elversberg im August 2021 auf dem letzten Platz der Regionalliga Südwest. Während sich für den BVB in diesen fast fünf Jahren seither in Sachen Titeln nichts mehr getan hat, begann für Book im Saarland ein Aufstieg, der ihn mit Elversberg erst in die dritte und dann in die zweite Liga führte – und der ihn durch seinen Wechsel zu Borussia Dortmund nun in die Bundesliga bringt, und nächste Saison aller Voraussicht nach in die Champions League. Mit seinem Elan und seiner Expertise soll er eine Stagnation beim BVB zu durchbrechen helfen. Es ist kein Zufall, dass die Borussia ausnahmsweise mal nicht auf eine Vereinslegende zurückgreift. Sondern auf jemanden von außen.
„Ole Book bringt als Externer neue Impulse und neue Ideen mit“, sagte Ricken am Mittwoch. „Er ist ein Stück weit die Zukunft.“ Mit den jüngsten Entwicklungen unter dem langjährig BVB-treuen Sportdirektor Sebastian Kehl waren sie beim BVB nur noch bedingt zufrieden. Veranschaulichen lässt sich die perspektivisch limitierte Situation des Klubs außer am frühen Aus in Champions League und DFB-Pokal auch am großen Rückstand auf den Tabellenführer Bayern München. „Wenn wir ein bisschen näher an die Bayern rankommen wollen“, sagte Ricken, „dann brauchen wir einen homogenen Kader – und auch für diesen soll Ole stehen.“
An Kehl allein hat Dortmunds jüngste Stagnation freilich kaum gelegen. Auch Cramer und Ricken, in ihrem jeweiligen Amt noch nicht so lange Nachfolger des einst mächtigen Hans-Joachim Watzke, stehen unter Erfolgsdruck und holen mit Book jemanden, der ihnen bei der Bewältigung explizit behilflich sein soll. „Bei uns ist gerade ordentlich Leben in der Bude“, sagte Cramer am Mittwoch in breitem Westfälisch und umschrieb damit betont hemdsärmelig den Druck, den BVB sportlich erneuern zu müssen. „Wir müssen zu unkonventionellen Maßnahmen bereit sein“, sagte Cramer, „und dem verleihen wir mit einem frischen, unverbrauchten Gesicht Ausdruck.“ Man wolle nicht einfach nur „gewohnte Pfade weitergehen“.













