
Die Unkaputtbare
Süddeutsche Zeitung
Die Schwedin Frida Karlsson kann am Sonntag ihre dritte Goldmedaille gewinnen. Ehe sie zur besten Langläuferin dieser Spiele wurde, überstand sie ein mentales Tief, einen Autounfall – und ein Martyrium als Stalkingopfer.
An diesem letzten Wochenende der Winterspiele steht die Königsdisziplin des Langlaufs bevor: 50 Kilometer, Massenstart, klassischer Stil. Ein Marathon, ultraanstrengend, auf der bergigen Strecke im Val di Fiemme. Am Samstag gehen die Männer auf die Loipe. Der Norweger Johannes Hosflot Klaebo, der erfolgreichste Wintersportler der Welt, plant dort seinen insgesamt elften Olympiasieg.
Doch eines ist neu: Zum ersten Mal bei Winterspielen starten auch die Frauen auf dieser längsten aller Strecken. Am Sonntag sind sie dran, es ist eine der letzten Entscheidungen vor der Schlussfeier in Verona. Es gab viele Debatten in den vergangenen Monaten, ob diese Distanz nicht zu hart sei für die Frauen. Aber genau darum geht es auch: um Gleichberechtigung. Und darum, die Mär vom fehlenden Durchhaltevermögen zu kontern, die es immer wieder gab. Frida Karlsson könnte jedenfalls gespannter nicht sein.
Die 26-jährige Schwedin ist die erfolgreichste Langläuferin in Tesero, das weibliche Pendant zu Klaebo, wenn auch nicht ganz so dominant. Sie hat über 10 Kilometer Freistil gewonnen, auch den 20 Kilometer Skiathlon, wo im Wechsel klassisch und Skating gelaufen wird. Und wäre nicht der bedauernswerten Ebba Andersson der Ski nach ihrem Saltosturz auf der Strecke abhandengekommen, hätte Karlsson auch mit der Staffel Gold gewonnen. So war es nur Silber.
Doch am Sonntag hat Karlsson nur ein Ziel: den dritten Olympiasieg. Schwedens König Carl Gustaf, der in Tesero war, als sie ihr zweites Gold gewann, traut es ihr zu, auch das dritte und mit Abstand härteste Einzelrennen zu gewinnen. „Nichts ist unmöglich. Sie ist diesmal wirklich in Topform“, sagte er.
Es ist dieser Frau, die so viel Energie versprüht, aber keine Scheuklappen trägt, also alles zuzutrauen. Sie hat auch jeden Grund, es auch sich selbst nach vielen zweiten und dritten Plätzen zu beweisen. Und nach den Hindernissen, die sie überwinden musste.













