
Der Iran-Krieg bremst den Motorsport aus
Süddeutsche Zeitung
Nach ihrer Asientour soll die Formel 1 im April zweimal in Nahost gastieren. Doch die Rennen in Bahrain und Saudi-Arabien stehen wegen des Iran-Kriegs vor der Absage.
Wenigstens die rasant steigenden Ölpreise sind kein großes Problem für die Formel 1. Die Rennwagen werden seit dieser Saison mit hundertprozentig nachhaltigem Sprit betrieben und die Hälfte der 1000 PS stammen ohnehin von einer Elektromaschine. Aber was nutzen schon krisenfeste 22 Rennwagen allein gegen die Ereignisse in Iran, die die ganze Golfregion lähmen? Die Motorsport-Karawane besteht aus mehr als 2000 Menschen, die mit den Autos um die Welt fliegen. Nach dem Großen Preis von China an diesem Wochenende in Shanghai werden die Diskussionen um die umstrittenen neuen technischen Regeln weitergehen. Ganz oben auf der Tagesordnung für Formel-1-Besitzer Liberty Media, den Automobilweltverband Fia und die elf Rennställe aber steht die drängende Frage, wie es mit dem Rennkalender weitergeht.
Denn nach dem Großen Preis von Japan Ende März stehen im April kurz aufeinanderfolgend die WM-Läufe in Bahrain und Saudi-Arabien auf dem Programm. Sie waren bewusst so gelegt worden, um den Ramadan zu umgehen, und stehen jetzt auf der Kippe. Denn der Formel 1 läuft wegen des Iran-Kriegs die Zeit weg.
Ein Batterie-Reglement, das nicht von Rennfahrern geschrieben wurde, sondern vom Zeitgeist, spaltet die Formel 1. Es begünstigt nicht die instinktivsten Piloten, sondern die schlausten.
Die gewaltige Logistik für den PS-Zirkus funktioniert zwar besser und zuverlässiger als die neue Rennwagengeneration, aber sie ist auch kompliziert und benötigt entsprechenden Vorlauf. Es geht dabei nicht nur um das Material für die Boxencrews, das wie die Autos mit sechs Boeing-777-Frachtmaschinen eingeflogen wird. Die großen und schweren Aufbauten werden per Schiff transportiert. Was kostensparend ist, nun aber das Problem verschärft, denn der Seeweg erscheint momentan noch gefährlicher als die Flugrouten.
Deshalb gehen Fahrerlager-Insider davon aus, dass nach dem Grand Prix in Shanghai die offizielle Absage der beiden arabischen Rennen erfolgt. Offenbar haben sich die Teams schon in Melbourne, wohin Teile der Rennmannschaften wegen des Kriegsausbruchs nur unter großen Schwierigkeiten und mit Umwegen sogar über Tansania gelangt waren, auf einen möglichen Verzicht verständigt. Als wirklich globaler Sport ist die Königsklasse stets besonders anfällig für komplizierte Weltlagen.













