
Die Favoriten: Deutschland I, II und III
Süddeutsche Zeitung
Die Welt wundert sich, dass im Bobfahren immer die Deutschen die Medaillen abräumen. Exzellente Schlitten und eine „goldene Generation“ sind nur ein Teil der Erklärung.
Vier Bob- und Rodelbahnen stehen in Deutschland, in Winterberg, Königssee, Oberhof und Altenberg. Mehr hat kein anderes Land zu bieten. Das ist einer der Gründe, warum die Gazetta dello Sport beim olympischen Zweierbob-Finale stöhnte: „Sempre la Germania“, immer dieselben, die Medaillen abräumen, in diesem Fall Bob Deutschland I, II und III.
Aber Deutschland hatte schon Olympiasieger, bevor es ein Vierbahnenland wurde und als Bobfahren noch eine Gaudi tollkühner Männer in fliegenden Schlitten war: Andreas „Anderl“ Ostler aus Grainau setzte bei den Spielen 1952 in Oslo seinen 130 Kilogramm schweren Freund Lorenz Nieberl hinter sich in die Kiste und donnerte zum Olympiasieg. Im Vierer wiederholten sie das Spielchen und brachten als Quartett der Schwergewichte 473,5 Kilogramm auf die Waage. Das waren im Durchschnitt 118 Kilo pro Mann – ohne Material. Kurz danach führten die Verbände Gewichtslimits ein. Schon vier Jahre später bei den Winterspielen 1956 in Cortina d’Ampezzo rasten gestählte Rennfahrer durch die Röhre. Seitdem ist auch Bobfahren ein Leistungssport.
Es hat danach berühmte Bobfahrer gegeben aus der Schweiz, Großbritannien, USA, Kanada und Italien, etwa Eugenio Monti, den neunmaligen Weltmeister, der in Toblach in den Dolomiten geboren wurde, nicht weit von Cortina entfernt. In Ost- und Westdeutschland gewannen etwa Meinhard Nehmer, Wolfgang Hoppe, Harald Czudaj, Christoph Langen und André Lange im Eiskanal Gold.
Aber eine Ausbeute wie in Peking vor vier Jahren, als sieben von zwölf Medaillen an den hiesigen Bob- und Schlittenverband (BSD) gingen, hat die internationale Konkurrenz dann doch verblüfft. In Cortina 2026 sind es jetzt zur Halbzeit der Bob-Wettfahrten schon wieder vier von sechs. Laura Nolte sicherte sich Silber im Monobob, und im Zweier siegten Johannes Locher/Georg Fleischhauer vor Francesco Friedrich/Alexander Schüller und Adam Ammour/Alexander Schaller. „Podio tutto germania“, ein rein deutsches Podium, schrieb die Gazetta.
Liegt es am Standortvorteil des Vierbahnenlands? Mit Sicherheit, aber das ist nicht der einzige Grund, sagt Bundestrainer René Spies, der eine lange Liste aufzählt, warum die Bobfahrer aus seinem Verband mit Bahn- und Startrekorden durch die Eiskanäle jagen. Er nennt das Ausbildungssystem, die vielen erfahrenen Bahntrainer, die jungen Athletinnen und Athleten helfen, ihre Fahrlinie zu finden; die Heimtrainer an den „mittlerweile 14 Stützpunkten, an denen bobspezifisch trainiert wird“, wie er sagt. Mitunter würden Trainerstellen gemeinsam mit der Leichtathletik finanziert. Von der Bundesregierung gingen dem Bob- und Schlittenverband, der auch für Rodeln und Skeleton verantwortlich ist, im Jahr 2024 beispielsweise 7,1 Millionen Euro an Gesamtzuwendungen zu.













