
Chemiebranche einigt sich auf "Krisen-Tarifabschluss"
n-tv
Die Chemiebranche steckt in der Krise: Der Iran-Krieg und die damit steigenden Energiepreise stürzen große Konzerne wie BASF und Evonik in zusätzliche Turbulenzen. In dieser Situation geben sich die Gewerkschaften mit einem eher bescheidenen Tarifvertrag zufrieden.
Die Chemiebranche steckt in der Krise: Der Iran-Krieg und die damit steigenden Energiepreise stürzen große Konzerne wie BASF und Evonik in zusätzliche Turbulenzen. In dieser Situation geben sich die Gewerkschaften mit einem eher bescheidenen Tarifvertrag zufrieden.
Für die rund 585.000 Beschäftigten der kriselnden deutschen Chemie- und Pharmaindustrie gibt es einen neuen Tarifvertrag. Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) und der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) hätten sich auf Entgelterhöhungen in zwei Schritten sowie Beiträge zur Beschäftigungssicherung bei einer Laufzeit von 27 Monaten geeinigt, teilten beide Seiten nach zweitägigen Verhandlungen in Bad Breisig mit. Im Kern fließen in diesem Jahr 300 Euro pro Person in die Beschäftigungssicherung, 2027 folgen eine Entgelterhöhung von 2,1 Prozent sowie weitere 300 Euro pro Kopf zur Beschäftigungssicherung. 2028 soll es eine weitere Entgelterhöhung um 2,4 Prozent geben.
"Für diesen Krisen-Abschluss sind wir bis an die Schmerzgrenze gegangen", sagte der IGBCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis. BAVC-Präsidentin Katja Scharpwinkel ergänzte: "Der Tarifabschluss zeigt, dass wir in einer schwierigen Situation gemeinsam Verantwortung übernehmen." Durch den Iran-Krieg habe sich die Lage der angeschlagenen Branche zugespitzt, erläuterte Vassiliadis. Die Beschäftigten gingen mit dem Abschluss in die Vorleistung. Nun sei die Politik am Zug, um die Rahmenbedingungen für die Branche zu verbessern. "Dauerhaft mehr zahlen die Arbeitgeber erst ab 2027 – und das zu krisengerechten Konditionen", ergänzte BAVC-Verhandlungsleiter Matthias Bürk. Unternehmen, die nicht wesentlich von der Krise betroffen sind, könnten aber eine oder beide Stufen der Tariferhöhung um drei Monate vorziehen.
Mit dem vereinbarten Beschäftigungssicherungsbeitrag gehe man neue Wege auf dem Feld der Jobsicherung, teilte die Gewerkschaft mit. Das Geld zur Beschäftigungssicherung gehe an den seit 2010 bestehenden Demografiefonds der Branche, dessen Nutzungszwecke um den Faktor Beschäftigungssicherung erweitert werden. Aus dem betrieblichen Topf könnten so beispielsweise Projekte zur Standortsicherung, Umqualifizierung oder Arbeitszeitreduzierung finanziert werden.
Die Gespräche in Bad Breisig waren die dritte Verhandlungsrunde auf Bundesebene. Die IG BCE wollte Jobs in der Konjunkturflaute sichern und höhere Entgelte über der Inflationsrate erreichen, wenngleich sie auf eine konkrete Lohnforderung verzichtete. Die Arbeitgeber pochten dagegen auf Lohnzurückhaltung angesichts der Krise der Chemie. BAVC-Verhandlungsführer Bürk betonte, die Branche produziere 20 Prozent weniger als 2018, zahle aber deutlich höhere Tariflöhne. Der aktuelle Tarifvertrag war Ende Februar ausgelaufen.













