
600 Passagiere über Nacht in Flugzeugen: Feuerwehr war in der Nähe und hätte helfen können
Süddeutsche Zeitung
Die unfreiwillige Übernachtung von Passagieren in Flugzeugen am Münchner Flughafen hätte vermieden werden können. Jetzt entschuldigen sich der Airport und die Lufthansa – und nennen drei Gründe, warum es zu der Situation kam.
An diesem sonnigen Freitagvormittag herrscht am Münchner Flughafen die gewohnt hektische Betriebsamkeit. Familien mit Kindern eilen zu den Gates, Geschäftsleute mit Aktentaschen reihen sich in die langen Schlangen vor den Check-in-Schaltern ein. Es ist der ganz normale Betrieb an einem der größten Airports Europas. Ganz anders als vor ziemlich genau einer Woche, als etwa 600 Fluggäste die Nacht auf Freitag in sechs Fliegern auf dem Vorfeld verbringen mussten. In dieser Nacht, sagt Thomas Hoff Andersson, Geschäftsführer Aviation und Operation des Münchner Flughafens, seien Fehler passiert, die nie hätten passieren dürfen an diesem Freitag. Es ist ein Schuldeingeständnis für einen Vorfall, der schwer an der Reputation eines zuletzt immer wieder hochdekorierten Airports nagt, der für sich selbst in Anspruch nimmt, in der Kategorie „Premium“ zu spielen, wie Andersson sagt.
Gemeinsam mit Heiko Reitz, Lufthansa-Hubmanager für den Standort München, versucht Hoff in einer eigens anberaumten Pressekonferenz im Münchner Airport Center (MAC) zu erklären, was genau in dieser Nacht schieflief. Denn fünf der sechs Maschinen, die trotz eines um eine Stunde verkürzten Nachtflugverbots nicht mehr starten konnten, waren Flieger der Kranich-Airline.
Reitz macht drei Gründe dafür aus, warum die Maschinen nicht mehr abheben konnten und die Passagiere sowie die Crewmitglieder stundenlang in den Flugzeugen ausharren mussten. Es habe in dieser Nacht, so der Lufthansa-Manager, eine „außergewöhnliche Wettersituation“ im Erdinger Moos geherrscht. Alle Maschinen hätten vor dem Start enteist werden müssen. Normalerweise dauere dieser Vorgang etwa 15 Minuten, in dieser Nacht aber hätten die Mitarbeiter hierfür doppelt so lange gebraucht. „Wir hatten einen Rückstau an Flugzeugen. Der Schneefall nahm zu und das Nachtflugverbot rückte näher“, so Reitz.
Des Weiteren seien zu wenig Busfahrer verfügbar gewesen, um die Reisenden wieder an die Terminals zurückzutransportieren. Hoff ergänzt, dass zwar die Spätschicht der Busfahrer bis 2.30 Uhr in der Nacht verlängert worden sei; dennoch habe sich später gezeigt, dass dies nicht ausgereicht habe. „Wir wissen heute, wir hätten mehr Busfahrer disponieren müssen“, so Hoff.
Als dritten Grund für das Chaos in dieser Nacht benennt Lufthansa-Manager Reitz die nicht erfolgte „Eskalation“. Soll heißen: Es wurde bei den Verantwortlichen nicht erkannt, dass eine besondere, für die Passagiere und Crewmitglieder extrem belastende Situation in den Maschinen bestand. Den einen Schuldigen aber wollen weder Hoff noch Reitz gezielt ausmachen; vielmehr sei es ein Versagen auf mehreren Ebenen sowohl beim Flughafen als auch Deutschlands größter Airline gewesen. Und eine „Verkettung mehrerer Umstände“, wie Hoff sagt.













