
„Er hat mir danach immer die Beichte abgenommen“
Süddeutsche Zeitung
Im niederbayerischen Kloster und ehemaligen Internat Rohr soll der Missbrauch durch Ordensbrüder aufgearbeitet werden. Für eine Studie können sich Betroffene melden. Die Opfer hoffen auf Transparenz.
Jahrzehnte hat es gedauert, bis sich das, was tief in Herms Meers Psyche begraben war, einen Weg nach draußen bahnte. 2006 war der Moment dann da. Meer war gerade wegen seiner immer wiederkehrenden Wutanfälle in Behandlung. Er lag auf einer Liege in einer psychosomatischen Klinik, hatte die Augen geschlossen und sich entspannt. „Auf einmal war ich wieder ein kleiner Bub im Zimmer des Priesters und konnte sehen, was er mit mir machte“, erzählt Meer am Telefon. Er habe damals die Augen aufgerissen und das laut ausgesprochen, was er so lange verdrängt hatte. „Scheiße, ich bin als Kind missbraucht worden.“
Das Kloster Rohr gab am Freitag mit einer Pressekonferenz den Startschuss für eine wissenschaftliche Studie zur „Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt und Menschenrechtsverletzungen im Internat und Gymnasium der Benediktinerabtei Rohr“. Ein unabhängiges Forschungsprojekt unter der Leitung der Historikerin und Erziehungswissenschaftlerin Annette Eberle sucht ehemalige Schülerinnen und Schüler sowie Zeitzeugen, die zur Aufklärung beitragen können.
Von Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.
Aufgerufen zum Mitwirken sind alle Betroffenen, Familienangehörigen, Freunde und Freundinnen oder Mitarbeitende der Einrichtungen oder des Trägers. Sie können sich streng vertraulich an Annette Eberle wenden, per Mail unter annette.eberle@ksh-m.de oder telefonisch 0177/47 86 628.
Aufgearbeitet werden sollen Vorfälle von den 1950er- bis zu den 2000er-Jahren. 1976, 2002 und 2003 wurden Fälle von sexuellem Missbrauch „durch drei Mitbrüder angezeigt, was zur Verteilung der Beschuldigten führte“, sagte Abt Markus Eller, Administrator des Klosters Rohr, in der Pressekonferenz. 2010 erreichten nach Auskunft des Abts das Kloster Rohr weitere Meldungen über Missbrauchsfälle, die alle zur Anzeige gebracht wurden. Die Verfahren wurden wegen Verjährung beziehungsweise Tod der Beschuldigten eingestellt. Einer der Täter, der verurteilt wurde, lebt heute noch.













