
„Das Lied fasst seine Rolle in diesem Jahr gut zusammen“
Süddeutsche Zeitung
Schauspieler Gerhard Wittmann über die Schwierigkeit, Dieter Reiter zu doubeln, die Frage, wie er ihn als Mensch einschätzt, und den denkwürdigsten Auftritt auf dem Nockherberg.
Gerhard Wittmann war am Anfang ratlos. Wie soll er das denn machen? Den Oberbürgermeister auf der Nockherberg-Bühne spielen? Die anderen Figuren hätten eindeutige Merkmale, Söder sein Fränkisch, Merkel ihren Habitus, aber Dieter Reiter? „Kann der denn nicht wenigstens einen Sprachfehler haben“, sagt Gerhard Wittmann an einem Januarnachmittag 2026 im Café Dallmayr über seine Gedanken von damals, artikuliert im Stile eines Sachbearbeiters beim Formular-Vorlesen. Und schon da ist klar: Reiter und Wittmann, die haben durchaus Gemeinsamkeiten.
Nur: Welche? Und dann ist schon auch die Frage, wie ein Schauspieler, der den OB seit 2015 spielt und beobachtet, den Menschen Reiter im Jahr 2026 einschätzt.
Wittmann verrät beim Treffen im Dallmayr nichts über das Singspiel-Stück am 4. März. Die Tradition will es ja, dass Veranstalter Paulaner aus dem Derblecken ein möglichst großes Staats- oder wenigstens Stadtgeheimnis macht bis zum Abend der Aufführung. Trotzdem kann man bei dem 61-Jährigen zwischen den Zeilen respektive zwischen den Worten lesen. Und eine Annäherung an den Menschen Wittmann ist auf eine Art auch eine Annäherung an den Menschen Reiter.
Wittmann ist ein tastender Mensch. Verbal tastend. Beim Fototermin am Fischbrunnen vor dem Rathaus wird er gebeten, seine Jacke auszuziehen, bei leichten Minusgraden. Er nickt und sagt: „Samma froh, dass ned so koid is.“
Zwischen den Worten: eine leichte Hintergründigkeit, die bei Bedarf auch in eine ganz dezente Hinterfotzigkeit übergehen kann, indem er durch die mit dem Dialekt ins Sympathische gedrehte Verneinung etwas sehr wohl bejaht.













