
"Wer seine Tochter nicht beschneiden lässt, riskiert, dass sie ausgegrenzt wird"
n-tv
Hierzulande ist es unvorstellbar, in mindestens 90 Ländern wird es tagtäglich praktiziert: weibliche Genitalverstümmelung. Ein Chirurg macht es sich zur Aufgabe, die Genitalien betroffener Frauen zu rekonstruieren - und ihnen so ihre Würde zurückzugeben. Warum Eltern ihre Töchter verstümmeln lassen und was nötig ist, damit es aufhört.
Hierzulande ist es unvorstellbar, in mindestens 90 Ländern wird es täglich praktiziert: weibliche Genitalverstümmelung. Ein Chirurg macht es sich zur Aufgabe, die Genitalien betroffener Frauen zu rekonstruieren - und ihnen so ihre Würde zurückzugeben.
Es ist eine Menschenrechtsverletzung, die meist unter hygienisch katastrophalen Umständen stattfindet, traumatische Folgen für die Opfer haben kann - und trotzdem in rund 90 Ländern praktiziert wird: Mindestens 230 Millionen Mädchen und Frauen sind laut UNICEF weltweit von weiblicher Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation/Cutting, kurz FGM/C) betroffen. Allein in Deutschland leben laut einer Schätzung der Bundesregierung 123.000 Frauen und Mädchen, die bereits betroffen sind oder als bedroht gelten.
Was bei der weiblichen Genitalverstümmelung in einigen afrikanischen, arabischen, asiatischen und südamerikanischen Ländern passiert, hat oft lebenslange Auswirkungen auf betroffene Mädchen und Frauen - körperlich und seelisch: Im Kindes-, teilweise auch schon im Babyalter werden oft ohne Betäubung und mit unsterilen Gegenständen wie Rasierklingen, Glasscherben oder scharfkantigen Steinen die Klitorisspitze, die Klitorisvorhaut, die äußeren und inneren Schamlippen teilweise oder komplett entfernt und im extremsten Fall zusätzlich der Scheideneingang bis auf ein kleines Loch zugenäht. In einigen Ländern wird die Genitalverstümmelung unter dem Deckmantel der Medikalisierung - also unter Betäubung durch medizinisches Personal - vorgenommen. Das erweckt den Anschein eines "normalen" Eingriffs, die Menschenrechtsverletzung und die Folgen für die Betroffenen bleiben die gleichen.
"Medizinisch gesehen stehen der klitorale Gefühlsverlust, funktionelle Störungen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und der Menstruation sowie Geburtskomplikationen im Vordergrund. Emotional äußern viele Patientinnen, dass sie nicht verstehen können, warum ihnen die Beschneidung angetan wurde", erklärt PD Dr. Dan mon O'Dey im Interview mit ntv.de. Der Facharzt für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie hat sich mit der Entwicklung eigener Operationstechniken auf die anatomische Rekonstruktion der äußeren weiblichen Genitalien spezialisiert, erhielt 2025 sogar das Bundesverdienstkreuz für sein herausragendes Engagement im medizinischen Bereich.
Kommen betroffene Frauen in O'Deys Praxis, ist es sein Ziel, ihnen neben der Rekonstruktion des Genitals und den damit verbundenen Funktionen auch die sexuelle Empfindungsfähigkeit zurückzugeben. Die Rekonstruktion soll psychische und physische Belastungen mindern - und den Frauen ihre Weiblichkeit und Würde zurückgeben.













