
Kinderpsychiater Winterhoff bekommt Bewährungsstrafe
n-tv
Der Psychiater Winterhoff soll jungen Patienten ohne medizinische Notwendigkeit zum Teil jahrelang Psychopharmaka verordnet haben und wird deshalb wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Die Anklage fordert Haft, die Verteidigung Freispruch. Das Gericht entscheidet sich für einen Kompromiss.
Der Psychiater Winterhoff soll jungen Patienten ohne medizinische Notwendigkeit zum Teil jahrelang Psychopharmaka verordnet haben und wird deshalb wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Die Anklage fordert Haft, die Verteidigung Freispruch. Das Gericht entscheidet sich für einen Kompromiss.
Das Bonner Landgericht hat den Kinderpsychiater und Sachbuchautor Michael Winterhoff wegen Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährung verurteilt. Die Kammer befand den 71-Jährigen der vorsätzlichen Körperverletzung in sieben Fällen sowie der fahrlässigen Körperverletzung für schuldig.
Zwar habe der Angeklagte Kindern und Jugendlichen das umstrittene Psychopharmakon Pipamperon zur Dauerbehandlung verordnet. Anders als von der Staatsanwaltschaft angenommen, habe er dies jedoch nicht getan, um Patienten zu schaden. Vielmehr habe der Angeklagte "aus seiner ureigenen ärztlichen Überzeugung und in heilender Absicht gehandelt", sagte die Richterin.
Das Antipsychotikum Pipamperon wird zur Behandlung von Schlafstörungen und Unruhezuständen eingesetzt. Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren sollte es laut Herstellerangaben nur unter besonderer Berücksichtigung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses verordnet werden.
Die Staatsanwaltschaft hatte für Winterhoff eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten wegen gefährlicher Körperverletzung gefordert. Laut Anklage soll Winterhoff junge Patientinnen und Patienten teils jahrelang und systematisch mit dem Neuroleptikum Pipamperon behandelt haben, obwohl dafür "keine Indikation im Rahmen der Zulassung des Medikaments bestanden" habe. Die Verordnung habe er auf die umstrittene Diagnose "frühkindlicher Narzissmus" gestützt.













