
Nagelsmann irritiert mit seiner Super-Ehrlichkeit
n-tv
Das WM-Jahr ist für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft endgültig eingeläutet. Bundestrainer Julian Nagelsmann erklärt in einem Interview, mit welchen Gedanken er den Weg zu dem Turnier in den USA, Mexiko und Kanada plant. Und ist dabei superehrlich.
Das WM-Jahr ist für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft endgültig eingeläutet. Bundestrainer Julian Nagelsmann erklärt in einem Interview, mit welchen Gedanken er den Weg zu dem Turnier in den USA, Mexiko und Kanada plant. Und ist dabei superehrlich.
Mittlerweile ist es Routine: Zu Beginn eines Turnierjahres hält der Bundestrainer so etwas wie eine Neujahrsansprache. Anders als der Bundeskanzler oder die Bundeskanzlerin stellt er sich nicht vor den Weihnachtsbaum im Kanzleramt, um Allgemeinplätze zu verkünden ("Zuversicht ist auch irgendwie wichtig"). Beim Fußball ist die Sprache direkter, schließlich muss Julian Nagelsmann keine Wahlen gewinnen. Deshalb ist er in seinem "Kicker"-Interview sehr ehrlich - manchmal sogar zu sehr, dazu später aber mehr.
Deutlich wird aber auf jeden Fall: Beim Bundestrainer hat sich in den vergangenen vier Monaten, seit dem 6:0-Erfolg über die Slowakei, eine Menge angestaut. Im Wesentlichen splittet sich seine "Kicker"-Regierungserklärung in zwei Teile: Nagelsmann spricht über Soft Skills, auf die er besonders achtet (Stichwort: Emotionen!). Bei der Handball-Europameisterschaft und zuletzt den Winterspielen in Mailand und Cortina ist ihm noch einmal aufgefallen, wie sehr der Sport davon lebt. Heißt: Wenn nicht fachgemäß gejubelt wird, "notiere ich es". Zudem: Das bei der Heim-EM gelernte Rollenprinzip soll ein Comeback feiern.
Und klar, da ist noch der zweite und interessantere Teil: die Personalien. In den Monaten vor der Heim-Europameisterschaft holte er Toni Kroos aus dem DFB-Ruhestand. Und diesmal? Nagelsmann kündigt Überraschungen an, aber nicht, weil er neue Personalien aus dem Hut zaubern wird. Es werde Entscheidungen geben, "das kann ich jetzt schon verraten, die vermutlich nicht auf supergroßes Verständnis stoßen". Es geht ums Mannschaftsgefüge: Wer ist bereit, sich unterzuordnen, obwohl er im Klub klarer Stammspieler ist? Mats Hummels konnte das vor zwei Jahren nicht, die Heim-EM verfolgte er deshalb vor dem Fernseher.
Auch an anderer Stelle ist Nagelsmann, wie er sagen würde, superoffen: Die DFB-Gruppengegner Curacao, Elfenbeinküste und Ecuador können sich zumindest teilweise das Scouting sparen, denn die Startelf zeichnet sich schon ab. Das Tor hütet ziemlich sicher Oliver Baumann. Die Hoffnungen von Marc-André ter Stegen, nach Jahren im Windschatten von Manuel Neuer, endlich mal sein Turnier zu bekommen, schrumpfen mit jedem Tag. Das Buch sei für den noch wochenlang verletzten Torwart noch nicht zugeklappt, sagt Nagelsmann. Es werde aber "superknapp".













