
Mailand stirbt einen schmerzhaften olympischen Tod
n-tv
Die Olympischen Spiele sind eröffnet. Auf ungewöhnliche Weise. Die Dezentralisierung der Wettkampfstätten sorgt für ein Novum, das in Mailand nicht aufgeht. Was im TV funktioniert, läuft im Stadion komplett schief.
Die Olympischen Spiele sind eröffnet. Auf ungewöhnliche Weise. Die Dezentralisierung der Wettkampfstätten sorgt für ein Novum, das in Mailand nicht aufgeht. Was im TV funktioniert, läuft im Stadion komplett schief.
Die Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele in Mailand beginnt überraschend. Es ist schrill, es ist bunt. Es ist so, wie das in einer extravaganten Modehauptstadt sein soll. Mailand feiert die Heimkehr der Spiele in die Alpen und die eigene Geschichte, die so reich ist an Kunst, Kultur und Musik. Plötzlich tanzen Komponisten-Legenden wie Giuseppe Verdi, Giacomo Puccini und Gioachino Rossini als "Big Heads" zu einer umkomponierten Olympia-Variante des Italo-Disco Kultsongs "Vamos a La Playa". Ob den Grandi signori das gefallen hätte? Egal, Mailand war Mailand. Wild, bunt, verrückt. Und dann kam Mariah Carey.
Der US-Superstar verzückte den längst nicht ausverkauften Fußball-Tempel. Der von ihr als Ballade vorgetragene Klassiker "Volare" brachte große Magie in Europas charmanteste Bruchbude, die auf ihren letzten Metern vor dem anstehenden Abriss noch einmal ein außergewöhnliches Highlight bekam. Die Eröffnungsfeier war auf einem guten Weg. Sie war spektakulär inszeniert, dicht, hinreißend. Bis die Athleten kamen. Die eigentlichen Protagonisten der Veranstaltung. In diesem Moment starb Mailand einen olympischen Tod. Es war einer mit Ansage. Die Zersplitterung der Wettkampforte im Sinne der Nachhaltigkeit raubte San Siro die Stimmung. Die 2900 Athletinnen und Athleten wurden quer über Norditalien verteilt.
Und das ausgerechnet nach Paris. Nach den emotionalsten Spielen seit einer gefühlten Ewigkeit. 2024 heilte in Frankeich eine Wunde, die bei den Spielen zuvor aufgegangen war. Olympia war wieder eine Familie. Aber es war Sommer. Und Sommerspiele sind vom Wetter (noch) nicht so abhängig wie der Winter. Dort wird die Ressource Schnee immer knapper, die infrage kommenden Ausrichter rarer.
In der TV-Inszenierung ging der Plan auf, die Nationen zusammen einlaufen zu lassen. Doch ausgerechnet in der Herzkammer, in San Siro, setzte der atmosphärische Pulsschlag aus. Zahlreiche Nationen liefen nur als stilisierter Eisblock durch die Arena, getragen von einer Hostess. Es waren lange Wege. Es fing mit den Griechen an, den Gründervätern der Spiele. Kein einziger Athlet war in San Siro. Da die Sportler in den Alpen-Destinationen ihre Wettkämpfe bestreiten, sollten sie eben auch dort an der Parade teilnehmen. Die Griechen selbst hatten sich das offenbar anders gewünscht, durften aber nicht. Deswegen blieben alle hier fern. Es reihte sich eine Nation an die nächste, die außer einem illuminierten Eis-Namensschild nichts nach Mailand mitbrachten. Andere Nationen traten in Kleingruppen an. So etwa die Österreicher, die im Eishockey nicht vertreten sind und daher kaum Athleten in der Metropole haben.













