
Geladen oder nicht geladen – das ist jetzt die Frage in der Formel 1
Süddeutsche Zeitung
Ein Batterie-Reglement, das nicht von Rennfahrern geschrieben wurde, sondern vom Zeitgeist, spaltet die Formel 1. Es begünstigt nicht die instinktivsten Piloten, sondern die schlausten.
Wenn sich zwei Weltmeister streiten, vielleicht kann ein dritter Weltmeister helfen? Die Formel 1 ist garantiert kein schlechter Ort, um die Schlichtungsmethode „Frag nach beim Altmeister“ zu verfolgen. Bei wohl keiner anderen Sportveranstaltung gibt es eine derart hohe Weltmeisterdichte. Allein vier Champions (Verstappen, Hamilton, Norris, Alonso) starten in der kommenden Woche in die neue Saison. Und selbst diejenigen Weltmeister, die nicht mehr im Rennwagen sitzen, stehen dann in Melbourne am Streckenrand und geben Interviews als TV-Experten oder bauen Bienenstöcke auf.
Jetzt, da der Streit in der Königsklasse des Motorsports grundsätzlich wird, würde man gerne die Einschätzung eines bestimmten Meisters vernehmen, dessen Stimme viel zu früh verstummt ist. Ayrton Senna, der dreimalige Titelträger aus Brasilien, gilt vielen als der größte Pilot in bald acht Jahrzehnten Formel 1. Weil er das Zusammenspiel von Gasfuß und Bremspedal, von Lenkrad und Hirn bis an die Grenze der Perfektion getrieben hat. Und weil er das eigene Berufsbild mit einem quasi philosophischen Wertekanon unterfüttert hat, in dem sich nachschlagen lässt, wenn einer wissen will, wer oder was das eigentlich ist: ein Rennfahrer.
Viele berühmte Sätze hat der 1994 in Imola tödlich verunfallte Senna gesprochen. Seine zweifelsfrei berühmteste Weisheit ist diese: „If you no longer go for a gap that exists, you are no longer a racing driver“ – „Wer eine Lücke nicht länger nutzt, die sich bietet, ist kein Rennfahrer mehr.“
Mit viel Tamtam präsentiert Audi seinen neuen Rennwagen in Berlin. Während der Autobauer wirtschaftlich kriselt, investiert er Millionen in die Formel 1 – und denkt in großen Dimensionen.
Als Senna 1990 auf diese Weise über das Hochgeschwindigkeitsdasein sinnierte, hatte er soeben seinen Konkurrenten Alain Prost in Suzuka von der Strecke geschossen und sich so den Titel geschnappt. Die Lücke hatte nur in seinem Kopf existiert. Und doch hatte er prägnant zum Ausdruck gebracht, was einen Champion auf vier Rädern ausmacht: Mut. Schnelligkeit. Der pure Instinkt. Es zählt der Mensch, nicht die Maschine.













