
Ein Abriss, den der Pumuckl bejubeln würde
Süddeutsche Zeitung
Eine 550 Tonnen schwere Brücke über der Sternstraße prägte jahrzehntelang das Stadtbild im Lehel. Nun wird sie beseitigt – ihre Demontage ist der Vorbote großer Veränderungen.
Der Pumuckl hätte sicher seine helle Freude ob all des Getöses, Gedränges und Gelärms zu seinen Füßen. Und nicht zuletzt würden dem Kobold, der an der Sternstraße abwechselnd in Rot und Grün von der Fußgängerampel herableuchtet, die vielen Baufahrzeuge gefallen, die sich hier auf engstem Raum aneinander vorbeischieben. Unter anderem ist gerade ein gewaltiger Abbruchbagger herangerollt, der nun mit seiner Zange Stück um Stück von einem Bauwerk abknabbert, das jahrzehntelang das Stadtbild im Lehel geprägt hat.
Gemeint ist jene 550 Tonnen schwere Brücke, die sich auf einer Länge von 15 Metern über die Sternstraße spannt und zwei Gebäude der Bayerischen Versicherungskammer miteinander verbindet. Sie wird an diesem Tag also abgebrochen – mithin ein Vorbote großer Veränderungen, die hier an der Maximilianstraße anstehen.
Denn nach der Brücke werden von Mitte dieses Jahres an auch die beiden Gebäude entlang der Sternstraße abgerissen, sagt Daniel Preuße, Geschäftsführer der Immobilientochter von Deutschlands größtem öffentlichen Versicherer. Von 2027 an soll auf dem Areal unweit der Maximiliansbrücke ein neues Büro-Ensemble nach den Plänen des niederländischen Architekturbüros Mecanoo entstehen – sechs Geschosse hoch, mit „Flagship-Store“ im Parterre sowie weiteren Mietern im Gebäude. Denn obschon die Versicherungskammer auch künftig in dem Neubau vertreten ist, wird ein Großteil der Beschäftigten im „Campus Giesing“ des Konzerns an der Deisenhofener Straße arbeiten.
„Die Covid-Pandemie war ein Stück weit Initialzündung für diese Umstrukturierung“, sagt Preuße, der in gelber Warnweste und mit Schutzhelm auf dem Kopf verfolgt, wie sich der Abrissbagger an der Brücke zu schaffen macht. Damals habe die Versicherungskammer entschieden, dass ihre Arbeitsplätze in den bisherigen Gebäuden – allen voran Einzel- und Doppelbüros – nicht mehr den heutigen Anforderungen mit Home-Office und „Smart Working“ entsprächen, sagt Preuße. Infolgedessen habe man sich für die Entwicklung des „Campus Giesing“ mit einem neuen Arbeitsplatzmodell entschieden. Zugleich sollte der Standort im Lehel modernisiert und anschließend „für Fremdvermietungen geöffnet werden“, wie es in einer Mitteilung des Konzerns heißt.
Dies betrifft auch das erste Verwaltungsgebäude der „Königlich Bayerischen Brandversicherungskammer“, das 1877 an der Sternstraße 3 errichtet wurde. Bis 1928 folgten dort mehrere Aufstockungen und Erweiterungen entlang der Gewürzmühl- und bis zur Thierschstraße. Aktuell wird dieses denkmalgeschützte Gebäude saniert; 2027 soll hier der Bayerische Landtag als Mieter einziehen.













