
Dieser dramatische Sturz lässt die Olympischen Spiele verstummen
n-tv
Für diesen Moment kehrt Lindsey Vonn aus der Ski-Rente zurück. Auf ihrer Lieblingsstrecke in Cortina möchte sie ein zweites olympisches Abfahrts-Gold gewinnen. Die Inszenierung ist gigantisch. Das Ende brutal.
Für diesen Moment kehrt Lindsey Vonn aus der Ski-Rente zurück. Auf ihrer Lieblingsstrecke in Cortina möchte sie ein zweites olympisches Abfahrts-Gold gewinnen. Die Inszenierung ist gigantisch. Das Ende brutal.
Hollywood-Geschichten haben immer ein Happy End. Das weiß auch Lindsey Vonn. Also inszenierte sie den Weg zur letzten großen Fahrt als Ski-Superstar als großen Blockbuster. Mit Spins, die sonst nur in James-Bond-Filmen vorkommen. Beide, die unzerstörbare Amerikanerin und der unzerstörbare britische Geheimagent, haben eine gute Geschichte mit Cortina d'Ampezzo, dem olympischen Ort, der an diesem Sonntag nur auf Vonn blickte. Zwölfmal hatte sie hier gewonnen, 20 Mal stand sie hier auf dem Podest. Bond raste derweil einst seinen Verfolgern in "For your eyes only" mit einer hanebüchenen, mit einer bond'esken Abfahrt davon. Es war alles bereitet, Vonn den goldenen Teppich auszulegen.
Mit der Nummer 13 stand sie am Start. Mit einer Teilprothese im rechten Knie, mit einem frischen Kreuzbandriss und einem kaputten Meniskus im linken. Gut eine Woche vor den Winterspielen war die 41-Jährige in Crans-Montana folgenschwer gestürzt. Sie pfiff drauf, sie pfiff auf all die Ratschläge, auf all die besorgten Kommentare, dass sie mit ihrer Gesundheit spiele und die Folgen eines olympischen Rennens unter höchster Belastung nicht absehbar seien. Alles egal. Sie vertraute darauf, dass ihre bestens austrainierte Muskulatur diese Extremanstrengung schon stemmen werde. Für diesen Moment am Sonntagmittag, High Noon, war sie schließlich aus der Ski-Rente zurückgekehrt. Sie war dem Reiz der Spiele erlegen. Sie wollte es noch einmal wissen. Ein Olympiasieg auf ihrer Piste, der Olimpia delle Tofana, war ihr Ziel.
Riesiger Jubel brandete auf, als Vonn am Start stand. Mit der Nummer 13. Bloß nichts reininterpretieren. Sekunden später, es waren tatsächlich 13, herrschte Totenstille im Zielraum. Vonn war gestürzt. Heftig. Extrem heftig. An einem der roten Tore war sie mit ihrer Hand hängengeblieben, sie hatte die Kontrolle verloren, flog, lag fast quer zur Fahrtrichtung und schlug auf, mit dem Gesicht und lag reglos im Schnee. Beide Knie hatten sich offenbar verdreht. Sie schrie. Es war nicht auszuhaltende, gespenstische Momente. Im Zielbereich schauten sie weg oder gebannt nach oben. Di Zuschauer und Fans schlugen die Hände vor den Mund oder vor die Augen. Die Olympischen Spiele 2026 hatten schon am zweiten Wettkampftag ihre alles überschattende Drama-Geschichte. Die amerikanische Superheldin war gefallen. Ein Happy End war nicht mehr in Sicht.
"Das war definitiv das Letzte, was wir sehen wollten", sagte Vonns Schwester Karin Kildow, die mit dem gemeinsamen Vater an der Strecke war: "Sie gibt immer 110 Prozent, niemals weniger. Ich weiß, dass sie ihr ganzes Herzblut hineingesteckt hat, und manchmal passieren eben solche Dinge. Es ist ein sehr gefährlicher Sport." Tatsächlich schien Vonn auf ihrer letzten Olympia-Abfahrt wieder ans Limit, an die 100 Prozent oder darüber hinaus gehen zu wollen. Sie hatte ihre Rivalinnen in dieser Saison damit gepiesackt, noch nicht einmal alles ausgepackt zu haben, noch nicht ein einziges Mal alles über ihren aktuellen Leistungsstand verraten zu haben.













