
Die Schreibmaschine der Revolution
Süddeutsche Zeitung
Das Museum der Bayerischen Geschichte hat die Schreibmaschine des ersten bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner erhalten. Dieses Jahrhundertobjekt der Demokratiegeschichte hat eine abenteuerliche Odyssee hinter sich.
In die Riege jener Leitfiguren, die in der Geschichte Bayerns tiefe Spuren hinterlassen haben, reiht sich auch der Sozialist Kurt Eisner (1867-1919) ein. Eisners Ruhm ist untrennbar mit dem 8. November 1918 verknüpft, an dem er als Revolutionsführer die Monarchie in Bayern gestürzt und die Republik ausgerufen hat. In den Annalen wird er als erster Ministerpräsident des Freistaats Bayern geführt, wobei manche Historiker darauf hinweisen, Eisner sei nicht klassisch parlamentarisch, sondern von Arbeiter- und Soldatenräten in dieses Amt gewählt worden.
Eisners Hinterlassenschaft umfasst vor allem Schriften und Dokumente, die er als Journalist und Politiker verfasst hat. Bislang ging man davon aus, dass außer dem Schrifttum kein persönliches Objekt von Eisner die Zeiten überdauert hat. Diese Faktenlage hat sich nun überraschend geändert.
Vor einigen Wochen erhielt das Haus der Bayerischen Geschichte (HdBG) ein bemerkenswertes Relikt, das am Freitag in Regensburg präsentiert wurde. Es handelt sich um jene Schreibmaschine, mit der Eisner von 1914 an politische Artikel, literarische Texte sowie seine Korrespondenzen verfasste. Von der Existenz dieses Objekts war bislang nichts bekannt. Bis im vergangenen November Eisners Urenkel Susanne Rother und Christian Strahl Kontakt zum Haus der Bayerischen Geschichte aufnahmen. Schon wenige Wochen später erfolgte die Übergabe der Schreibmaschine als Schenkung an das HdBG.
Sofort stechen die großen Lettern ins Auge, die den Markennamen „Mercedes“ verraten. Tatsächlich stellten die „Mercedes Büromaschinen‑Werke AG“ in Zella-Mehlis in Thüringen zwischen 1911 und 1924 hochwertige Büroschreibmaschinen her, deren Namen sie von den Daimler-Motorenwerken erworben hatten. Eisners Schreibmaschine wurde gemäß ihrer Seriennummer Mitte 1914 hergestellt und kurz darauf von Kurt und Else Eisner erworben.
Der Eisner-Biograf Bernhard Grau sagt, Eisner habe viele seiner persönlichen Aufzeichnungen handschriftlich verfasst. Er vermutet, die Schreibmaschine sei vor allem für seine berufliche Arbeit benötigt worden. Wohl auch, weil seine Handschrift für Unkundige alles andere als gut lesbar war.













