Die Frau, die mit einem Schlag ihren Mann und ihre Kinder verliert
Die Welt
Noch ist nicht Halbzeit auf der Berlinale, und doch bekommt der Wettbewerb langsam Kontur. Er ist viel besser als erwartet – und teilt ein Motiv: Viele Filme erzählen vom langen Weg zurück zu sich selbst. Und einer setzt sich dabei an die Spitze.
Zwei der besten Filme der diesjährigen Berlinale kommen aus Österreich. Nach „Rose“ überzeugt auch „Vier Minus Drei“, ein mitreißendes Drama über eine Frau, die auf den plötzlichen Verlust ihres Mannes und ihrer beiden Kinder mit Humor reagiert. Standing Ovations, tränenüberströmte Gesichter, fassungsloses Schweigen. Das österreichische Familiendrama „Vier Minus Drei“ (Sektion Panorama) ließ bei der Premiere im Zoopalast wahrscheinlich niemanden unbewegt. Der Schicksalsschlag, um den es geht, erscheint nur erträglich, weil die Frau, der das Ungeheuerliche geschieht, beruflich als Clown arbeitet. Auch ihr Mann Heli war professioneller Clown. Bis zum Autounfall. Er ist sofort tot. Der Sohn Thimo lebt zwar noch, aber wird nie wieder aufwachen. Und die Tochter Fini, in deren Überleben Barbara zunächst alle Hoffnungen setzt, stirbt kurze Zeit später. Geht eine Clownsfamilie anders mit Verlusten um? Auf der Beerdigung dominieren Tanz, Farbenfreude und Musik, nur wenige Tage nach der Beerdigung scherzt Barbara schon wieder mit Kostüm und roter Knollennase, und mit einem neuen Lover – einem Landarzt-Schauspieler –, spielt sie Doktorspiele. Das ist ihre Superkraft, diese abgespaltene Künstler-Persona, die sie immer dann aus der Tasche hervorzaubert, wenn sie mal nicht die trauernde Witwe sein will, sondern lustig, lebensfroh und albern. So wie ihr Mann und ihre Kinder waren, und so, wie diese sie kannten und mochten.
